Das 1980 erschienene, selbstbetitelte Album der Sugarhill Gang gilt weithin als das erste Album in voller Länge des Genres. Drei Rapper:innen wählen die Alben aus, die in den Jahren seitdem den Geist des Hip-Hops eingefangen haben.
Die 1980er: „Paid in Full“ (1987) von Eric B. und Rakim

Das Debütalbum von Eric B. und Rakim besticht durch seine progressiven Texte, avantgardistischen Turntablism und den innovativen Einsatz interner Reimschemata. Rakims Texte sind gespickt mit Anspielungen auf alles Mögliche, von der Five Percent Nation bis hin zu „Soul Train“. Seine quasi-mythischen Verse wechseln zwischen dem optimistischen Geist traditioneller Gospelhymnen, wie in „How I Got Over“, und Prahlereien darüber, andere Rapper zu übertrumpfen. Diese Themen „sprachen die urbane Community an“, sagt Slick Rick, 61, der im folgenden Jahr seine erste Platte veröffentlichte. „Er erzählte die Geschichte seines eigenen Erwachsenwerdens.“
Die 1990er: „Supa Dupa Fly“ (1997) von Missy Elliott

„Supa Dupa Fly“, das Debütalbum von Missy Elliott, „war einfach so anders und fesselnd“, sagt die 51-jährige Trina. Das Album erschien zu einer Zeit, als der Hip-Hop auf dem Weg zu neuen Höhen des kommerziellen Erfolgs war und gleichzeitig unter dem Tod junger Stars wie 2Pac und The Notorious B.I.G. litt; es zeichnet sich durch eine schräge, ausgefallene Atmosphäre aus, die die Seltsamkeit der Zeit einfängt. Es kombiniert Elliotts komplexen Gesangsstil – eine Mischung aus ernsthaftem R&B-Gesang und provokanten Rap-Einlagen – mit den flirrenden, synkopierten Beats des Produzenten Timbaland. Das Video zum Titelsong, in dem Elliott in einem Vinylanzug auftritt, der einem Müllsack ähnelt, ist „eines der ikonischsten aller Zeiten“, sagt Trina. „Es hat einen wirklich dazu inspiriert, in diesem Game kreativ zu sein.“
Die 2000er: „Scorpion“ (2001) von Eve
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„In einer Zeit, in der viele bekannte Rapperinnen sich einer Männercrew anschließen mussten, um Fuß zu fassen, war Eve etwas ganz Besonderes“, sagt Trina. „Sie hat alles dafür getan, um ihre Ziele zu erreichen, und sich in dieser von Männern dominierten Branche unermüdlich durchgesetzt und Erfolg gehabt.“ Das zweite Album der Rapperin aus Philadelphia unterstreicht die Lyrik, Intelligenz und den Charme, die sie zum Star machten. Ihr Ausflug in die Sounds der Westküste und Kollaborationen mit Popstars wie Gwen Stefani bei „Let Me Blow Ya Mind“ waren Vorboten der klanglichen Vielseitigkeit von Künstlern wie Nicki Minaj, Lil Uzi Vert oder PinkPantheress.
Die 2010er: „My Beautiful Dark Twisted Fantasy“ (2010) von Ye

Mit seinem fünften Studioalbum verstärkte Ye, der damals als Kanye West bekannte Rapper, seine maximalistischen Tendenzen und lieferte ein Konzeptalbum ab, das herrlich unübersichtlich ist – zugleich überladen und doch stimmig. „Es ist wie eine Rap-Oper“, sagt die 30-jährige Tierra Whack. „Die langen Songs, die zahlreichen Beatwechsel, das Orchester, die ausgedehnten Outros. Es hat den Künstler:innen wieder ins Gedächtnis gerufen, dass Hip-Hop nicht nur eine Sache ist.“ Die großartige Instrumentierung des Albums, die Ye selbst übernommen hat, und eine All-Star-Besetzung an Produzenten, darunter RZA, NO I.D. und Mike Dean, bilden das Fundament für die prahlerischen, albtraumhaften Zeilen des Musikers und seine absichtlichen Freudschen Versprecher. „‚So Appalled‘: Das ist einer der großartigsten Beats, die je gemacht wurden“, sagt Whack. Das Album „fühlte sich an wie etwas, das wir eigentlich gar nicht haben sollten. Es fühlte sich fast wie ein Leak an. Es war so monströs und dominant.“
Die 2020er: „Certified Lover Boy“ (2021) von Drake

Das berüchtigte Cover dieses Albums, entworfen vom Künstler Damien Hirst, zeigt ein Raster aus Emojis schwangerer Frauen und steht für den Höhepunkt von Drakes Fähigkeit, die Aufmerksamkeitsökonomie für sich zu nutzen. Das sechste Album des Rappers bekräftigt erneut sein Image als Frauenheld und hinterfragt seine Vorstellungen von Liebe und Berühmtheit im Zeitalter der sozialen Medien. Es beschäftigt sich zudem mit vielen seiner langjährigen Themen: Paranoia, Isolation, rein geschäftliche Beziehungen und die Dualität von „Frenemies“. „Mit vielen dieser Songs kann ich mich wirklich identifizieren“, sagt Whack. „Zum Beispiel mit ‚No Friends in the Industry‘, denn man lernt schnell, dass vieles davon nicht echt ist; die Leute spielen nur eine Rolle. Ich dachte mir: ‚Okay, er redet Klartext und versucht nicht nur, einen Hit zu landen.‘“
Diese Interviews wurden redaktionell bearbeitet und gekürzt.