Dass Second-Hand-Shopping und Vintage-Pieces wieder deutlich an Popularität gewonnen haben, ist nichts Neues. Doch diesen Sommer sind es gerade die wild gemusterten, farbenfrohen Minikleidchen, Sets und Cover-Ups von Blumarine, Roberto Cavalli und Pucci, die Beach Clubs wie das Scorpios auf Mykonos, Shellona in St. Tropez oder Coco Beach auf Ibiza in ein buntes Mustermeer verwandeln.
Aber warum sind es ausgerechnet Vintage-Finds dieser Designer? Die Antwort findet sich – wider Erwarten – in den aktuellen Runway-Kollektionen von Frühjahr/Sommer 2026. Die Zeit des Minimalismus scheint vorbei, Farbe ist auf dem Vormarsch. Was Dario Vitale in seiner ersten und einzigen Kollektion für Versace deutlich gemacht hat, haben auch Pierpaolo Piccioli für Balenciaga und Albert Kriemler für Akris klar gezeigt. Diesen Sommer geht es um Color Blocking, leuchtende Farben und Muster, mal psychedelisch, mal inspiriert aus dem Tierreich: Animal Print wurde bereits in den vergangenen Saisons Schritt für Schritt zum Mega-Trend und Leopard, Zebra und Schlange bleiben uns nach wie vor erhalten. Gerade die Sommerkollektionen zwischen 2000 und 2005 bei Roberto Cavalli, Blumarine und Pucci sahen genauso aus: Zebrastreifen, Sonnenuntergangstöne in Kombi mit Leoprint und bunte Farbexplosionen. Und alles eng, kurz und sexy, mit Fokus auf den scheinbar endlos langen, trainierten (und natürlich gebräunten) Beinen.


In einer Zeit zwischen Selbstoptimierung und Fitness-Boom, zwischen Reformer Pilates, Running Clubs und Rennrädern klingt das nach realistischen und idealen Outfits für heiße Temperaturen am Strand. Es darf für viele wieder knapp und eng sein. Gerade, wenn man sich wieder wohl, gesund und fit in seinem eigenen Körper fühlt und stolz auf die Leistung ist, die man dank Trendsportarten und Mitgliedschaften in den vergangenen Monaten für sich selbst (und teilweise auch für die Instagram-Follower:innen) erbracht hat. Deshalb ist ein kurzer Schnitt in Kombination mit Farbe gerade in den heißen Monaten die bevorzugte Wahl. Türkis, Guaven-Pink, Gelb – was die letzten Jahre mit den zögerlichen kleinen Schwestern in Pastell begann, ist diesen Sommer knalliger denn je. Und wo ist man im besten Fall im Juli und im August? Am Meer, am Strand, im Party-Urlaub mit Freund:innen. Kein Wunder also, dass sich gerade die Beach-Clubs der Eurosummer-Hotspots wie Ibiza, der Côte d‘Azur oder griechischen Inseln jetzt noch bunter färben. Und das nicht nur aufgrund saisonaler Designer-Collabs, bei denen Modehäuser für eine Saison die Beach Clubs branden und in ihrem Look designen. Roberto Cavalli kollaborierte dieses Jahr beispielweise zum dritten Mal in Folge mit dem Annex Club in Cannes während der Filmfestspiele. Dolce & Gabbana übernimmt für 2026 die Gestaltung von Casa Amor in St Tropez. Buntes Interior in Kombination mit den bunten Looks der Gäste beweist nur einmal mehr den aktuellen Zeitgeist: Mehr ist jetzt wieder mehr.
Aber es ist nicht nur der farbenfrohe Maximalismus, sondern auch der Nostalgie-Faktor. Sich an prägende Sommerurlaube erinnern und an die Trends, die dominierten, als man selbst noch Kind, Teenager oder gerade frisch erwachsen war. Die Looks von Stars, Models oder Vorbildern, denen man in einer Zeit vor Social Media nachgeeifert hat. Outfits, die aus Magazinen ausgeschnitten, in Musikvideos bewundert und mit den eigenen Kleidungsstücken oder denen der älteren Schwester oder Mutter nachgestylt wurden.
Die frühen 2000er üben genau aufgrund solcher Sehnsüchte und etwas idealisierten Erinnerungen schon lange einen Einfluss auf die aktuelle Mode aus. Der Reiz besteht gerade darin, dass die Schnitte, Farben und das ganze Verständnis der Trägerin einfach anders waren, aufregender und ein Stück weit individueller. Vielleicht ist das ein weiterer Grund, warum die Sommerkollektionen gerade dieser Zeit jetzt ihren zweiten Frühling – beziehungsweise Sommer – erleben. Doch wer steckt eigentlich hinter den Designs, die jetzt auf Vestiaire Collective, Vinted und Sellpy boomen? Es war genau die Ära, in der der französische Designer Christian Lacroix für Emilio Pucci designte, nämlich von 2002 bis 2005, die Ära, in der Roberto Cavalli selbst noch bei Roberto Cavalli entwarf und die Gründerin Anna Molinari noch als Chefdesignerin von Blumarine tätig war, gemeinsam mit ihrer Tochter Rosella Tarabini. Alle prägten zwar durch ihre ganz eigene Handschrift den Zeitraum, der jetzt wieder auf dem Radar erscheint. Doch so unterschiedlich die Designsprache auch war, sie alle vereinten Spaß an Mode mit raffinierten Schnitten und leichten Stoffen, genau das, was Mode zeitlos machen kann, wenn man weiß, wie.