Cannes Filmfestival 2026: Das sind die spannendsten Filme aus Europa

Cannes Filmfestival 2026: Das sind die spannendsten Filme aus Europa

Bárbara Lennie und Victoria Luengo in „Bitteres Fest“. (Foto: El Deseo)

Während der Boulevard de la Croisette wie gewohnt im Glanz der Scheinwerfer erstrahlt, ist in diesem Jahr eine deutliche Verschiebung spürbar: Die europäische Handschrift dominiert das Programm so stark wie selten zuvor. Denn wer auf die großen US-Blockbuster oder die gewohnte Übermacht an Hollywood-Stars wartet, wird in der diesjährigen Auswahl überrascht. Zwar mangelt es nicht an großen Namen – Stars wie Scarlett Johansson, Adam Driver und Rami Malek zieren die Gästeliste –, doch die großen Hollywood-Studios sind dennoch abwesend. Im Hauptwettbewerb fehlt in diesem Jahr jede Spur von den gewohnten US-Blockbustern, die sonst als publikumswirksames Gegengewicht zum ernsten Autorenkino fungierten.

Festivaldirektor Thierry Frémaux führt diesen Rückzug auf eine tiefe Verunsicherung in der US-Filmindustrie zurück. Die Spätfolgen der Corona-Pandemie, die massiven Hollywood-Streiks, Waldbrände in Los Angeles sowie politische Instabilität und laufende Studio-Übernahmen haben die nötige Gelassenheit für millionenschwere Produktionsentscheidungen geraubt. Zudem wächst bei den Studios die Angst vor dem „Festival-Risiko“: Negative Kritiken bei einer Premiere können den kommerziellen Erfolg ganzer Franchises gefährden. Da große Festivals zudem immer häufiger zu Brennpunkten politischer Debatten werden, meiden die Studios das Risiko, ihre Stars in polarisierende globale Diskussionen hineingezogen zu sehen.

So rückt das Festival jetzt das „Kino der Nachbarn“ in das Rampenlicht. Europa übernimmt in diesem Jahr das Steuer. Das sind die vielversprechendsten Produktionen, die in diesem Jahr um die Goldene Palme und die Gunst der Kritiker:innen buhlen.

„Bitteres Fest“ von Pedro Almodóvar

Leonardo Sbaraglia als Raúl Rossetti in „Bitteres Fest“. (Foto: El Deseo)

Der spanische Altmeister kehrt mit einer emotionalen Wucht zurück. In Bitteres Fest (Original: Bitter Christmas) erzählt Almodóvar von einem Regisseur in der Krise und der verdrängten Trauer einer jungen Frau auf Lanzarote. Ein farbenfrohes, aber tiefgründiges Melodram, das bereits als Favorit gilt.

„Moulin“ von László Nemes

Gilles Lellouche als Jean Moulin in „Moulin“. (Foto: Pitchipoï productions)

Der Regisseur von Son of Saul bleibt seinem intensiven Stil treu. In seinem französischsprachigen Debüt widmet sich Nemes dem Leben des Widerstandskämpfers Jean Moulin. Ein visuell radikaler Blick auf die dunklen Kapitel der europäischen Geschichte.

„I’ll Be Gone In June“ von Katharina Rivilis

Naomi Cosma als Franny in „I’ll Be Gone In June“. (Foto: Road Movies / Giulia Schelha)

Ein starkes Zeichen für das deutsche Kino in der Sektion Un Certain Regard. Rivilis erzählt die Geschichte einer 16-jährigen Austauschschülerin im New Mexico der Post-9/11-Ära. Ein feinfühliges Coming-of-Age-Drama über Einsamkeit und erste Liebe.

„Gentle Monster“ von Marie Kreutzer

Léa Seydoux als Lucy Weiss in „Gentle Monster“. (Foto: Frédéric Batier / Film AG)

Nach ihrem Erfolg mit Corsage bringt Kreutzer ein hochkarätig besetztes Drama an die Croisette. Mit Léa Seydoux und Catherine Deneuve in den Hauptrollen erforscht der Film komplexe weibliche Identitäten in einer Koproduktion zwischen Österreich, Deutschland und Frankreich.

„Fjord“ von Cristian Mungiu

Sebastian Stan als Mihai Gheorghiu und Renate Reinsve als Lisbet Gheorghiu mit Kindern in „Fjord“. (Foto: Alamode Film via Polyfilm)

Der rumänische Meister des Realismus verlässt für sein neues Werk teilweise seine Heimat. In Fjord gerät ein gläubiges rumänisch-norwegisches Ehepaar in Skandinavien unter Verdacht, seine Kinder misshandelt zu haben – ein beklemmendes Drama über kulturelle Missverständnisse und staatliche Gewalt.

„Another Day (Garance)“ von Jeanne Herry

Adèle Exarchopoulos als Garance in „Another Day (Garance)“. (Foto: Trésor Films / Chi-Fou-Mi Productions)

Jeanne Herry porträtiert in ihrem neuen Film den schleichenden Abstieg einer Schauspielerin (gespielt von Adèle Exarchopoulos), die im Alkohol Trost sucht. Ein intimes und schmerzhaftes Porträt über den Preis des Ruhms.

„Everytime“ von Sandra Wollner

Birgit Minichmayr als Ella, Lotte Shirin Keiling als Melli und Tristán López als Lux in „Everytime“. (Foto: PANAMA Film GmbH & Co KG, the barricades / Gregory Oke)

Wollner, bekannt für ihre unkonventionellen Erzählstrukturen, präsentiert mit Everytime eine Familientragödie auf Teneriffa. Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen in der Hitze Spaniens zu einem surrealen Kammerspiel.

„Vaterland (1949)“ von Paweł Pawlikowski

Sandra Hüller und Hanns Zischler als Erika und Thomas Mann in „Vaterland (1949)“. (Foto: Agata Grzybowska)

Der Oscar-Preisträger widmet sich in seinem neuesten Werk der Rückkehr von Thomas Mann und seiner Tochter Erika (gespielt von Sandra Hüller) in das Nachkriegsdeutschland. Ein historisch gewichtiger Film in Koproduktion zwischen Polen, Deutschland, Italien und Frankreich, der die Zerrissenheit eines Kontinents nach dem Grauen thematisiert.