Design als Dialog: Die neue Galerie Om in Berlin

Design als Dialog: Die neue Galerie Om in Berlin

Eine Ansicht der Ausstellung „Partie Une“; unter anderem mit der Keramikskulptur „Gaia Sapin“ in der Mitte, von Caroline Keslassy, 2023. (Foto: Courtesy of Galerie Om/Alessandra Fochesato)

Die Potsdamer Straße hat sich zu einer der dichtesten Galerien-Meilen Berlins entwickelt. In diesem Umfeld eröffnete am 28. Mai auch die Galerie Om. Sie fokussiert sich auf sammelwürdiges Design des 20. Jahrhunderts, präsentiert als atmosphärisches Gesamterlebnis.
Gegründet wurde die Galerie von Moana Thies und Oscar Gröne. Thies bringt eine tief in der internationalen Messekultur verwurzelte Perspektive mit – sie hat an Schauplätzen wie TEFAF New York, Salon Art + Design, Art Basel/Design Miami und der Art Düsseldorf gearbeitet und kennt den Markt für hochkarätiges Design aus erster Hand. Gröne, in London ansässig, hat Kuration an der Central Saint Martins studiert und danach in der privaten Kunstberatung gearbeitet. Beide teilen die Überzeugung, dass Design ein kulturelles Argument ist.

Das Galeriemodell ist entsprechend unkonventionell. Statt eines festen Bestands arbeitet die Galerie Om kommissionsbasiert und entwickelt jede Auswahl in enger Abstimmung mit Sammler:innen und Partner:innen. Pop-up-Ausstellungen, zunächst in Berlin, perspektivisch auch in Paris und Mailand, bilden das Rückgrat des Programms.

Von links: Oscar Gröne, Moana Thies und Julian Zacharias Eide. (Foto: Courtesy of Galerie Om/Alessandra Fochesato)

Für die Eröffnungsausstellung „Partie Une“ ist Creative Director Julian Zacharias Eide verantwortlich. Der in Stockholm geborene, in Berlin lebende Innenarchitekt begreift Räume als Erzählungen: Materialien, Licht, Proportion – alles dient einer stimmigen Gesamtkomposition, in der einzelne Objekte im Dialog miteinander wirken.

Die Designauswahl ist bewusst breit angelegt. Pierre Chareau, Jean Prouvé, Jean Royère, Klassiker des französischen Modernismus, die in der internationalen Sammler:innenszene seit Jahrzehnten erste Wahl sind und auf Auktionen regelmäßig Millionenbeträge erzielen. Ettore Sottsass, der als Kopf der Memphis-Bewegung in den 1980ern das Designestablishment provozierte, ist ebenso vertreten wie Maarten Baas, der niederländische Designer, der mit seiner „Smoke“-Serie verbrannte Möbel zum Kunstobjekt erhob und damit Anfang der 2000er Jahre die Grenzen zwischen Kunst und Design zum Thema machte. Ergänzt wird das Tableau durch Martin Margiela/Maison Martin Margiela, Fabio Novembre für Cappellini sowie die zeitgenössischen Positionen von Caroline Keslassy, Marten H. Anderson, Lorène Cavagna und Alex Joncas.

Ein Sofa aus der Mitte des 20. Jahrhunderts mit ausgeprägtem grafischem Charakter, dessen Sitzfläche und Rückenlehne aus ineinander verflochtenen Lederriemen auf einem Metallgestell bestehen. Darüber: „Crouching Panther“ (Kauernder Panther) von Jean Royère, um 1925–1935. (Foto: Courtesy of Galerie Om/Alessandra Fochesato)

Zum Programm gehören außerdem Liveperformances, kuratierte Foodformate und Sake-Pairings. Denn die Idee ist, dass Design erst im Zusammenspiel mit Körpern, Gesprächen und Sinneseindrücken seine volle Wirkung entfaltet. Die Eröffnungen bleiben klein und selektiv, ein Kreis aus Sammler:innen, Designer:innen und Kreativen.

Am 2. Juli folgt bereits die zweite Ausstellung. „Partie Deux“ widmet sich dem Wandteppich und verfolgt ein handwerkliches Medium über drei Jahrhunderte hinweg, vom 18. bis ins 21. Jahrhundert, durch textile Traditionen, in denen ostasiatische Einflüsse wie Chinoiserie und japanische Webkunst das europäische Handwerk tief geprägt haben. Handgewebte Arbeiten in Seide, Mohair und Baumwolle bilden das Material der Ausstellung, jedes Stück ein eigenes Zeitverhältnis, eine eigene Berührungsgeschichte. Zwei Auftragswerke geben der Schau einen zeitgenössischen Ankerpunkt: Das Studio Weberei und New Rug Studio haben je ein neues Stück eigens für die Ausstellung entwickelt – ortsbezogen in der Haltung, tief im handwerklichen Wissen verwurzelt. Den Abend beschließt eine Performance.

Galerie OM, Potsdamer Straße 100, 10785 Berlin. Partie Deux: Eröffnung 2. Juli.