„Die 23 Kilo für das Gepäck reichen nie”

„Die 23 Kilo für das Gepäck reichen nie”

Lewis Hamilton über seinen atemlosen Reisealltag. (Foto: Courtesy of Rimowa)

Als Lewis Hamilton ein Kind war, war seine Welt noch ziemlich übersichtlich. Der Rennfahrer und siebenfache Weltmeister wuchs in der Stadt Stevenage 40 Kilometer nördlich von London auf. Seine Eltern ließen sich früh scheiden, und Hamilton lebte erst bei seiner Mutter und später bei seinem Vater. „Dort schlief ich auf der Couch“, sagt er. Zwischen damals und heute liegen Welten: Hamilton ist ein Top-Athlet aber auch ein Liebling der Medien- und Modebranche, der bei Laufstegschauen in der ersten Reihe sitzt, mit Designerlabels kooperiert und als Werbebotschafter agiert. So auch für den Kölner Kofferhersteller Rimowa, für den Hamilton am vergangenen Dienstag bei einem Event im Flagship-Store des Labels in Köln auftrat. Der 41-Jährige, der seit einigen Monaten mit Kim Kardashian liiert sein soll, zeigte sich entspannt und gesprächig, und ziemlich überrascht, als die CEO der Firma Beatrice Monguidi dem Musikfan als Geschenk einen Koffer für Vinylplatten übergab. Sein Kommentar: „Davon werde ich ein paar mehr brachen." Anschließend gab Hamilton einen Einblick in seinen atemlosen Reisealltag, der von einem Sportler erzählt, der selten wirklich zur Ruhe kommt.

Was auf jede Reise mit muss

„In meinem Leben hat sich schon immer alles um Bewegung gedreht. Ich habe schon mit sieben Monaten angefangen zu laufen, mit acht Jahren nahm ich an meinem ersten Rennen teil, bin seitdem ständig ‚on the go‘, reise extrem viel. Da ich dauernd in Hotels lebe, brauche ich Dinge, die mir ein Gefühl von zuhause geben. Dazu gehören ein Foto von mir und meinem Hund, eine Kamera, eine dicke Decke für den Flug, Lautsprecher, weil ich nicht ohne Musik sein kann. Und mein eigenes Kopfkissen. Mein Nacken ist ziemlich empfindlich und Hotelkissen sind einfach schlimm.“

Wie er Urlaub macht

„Ich fliege etwa 130- bis 140-mal im Jahr. Pro Jahr besuche ich sicher 26 oder 27 verschiedene Länder. Allein der Rennkalender umfasst 24 Rennen in 24 Ländern. Nur im August habe ich zwei Wochen Sommerpause. Dann versuche ich meistens so viel wie möglich in diese Zeit hineinzuquetschen – letztes Jahr war ich in zwei Wochen in fünf verschiedenen afrikanischen Ländern.“

Wo er immer wieder hin zurückkehrt

„Afrika, insbesondere Kenia. Dort fühle ich einen Frieden und eine Bodenhaftung wie nirgendwo sonst. Ich war zum ersten Mal vor vier Jahren dort. Damals hatte ich einen DNA-Test gemacht, um mehr über die Wurzeln meiner Familie herauszufinden. Meine Großmutter ist aus Trinidad, mein Großvater aus Grenada, meine Mutter aus Großbritannien. Irgendwann habe ich mich gefragt, wie sind meine Vorfahren in der Karibik angekommen? Also habe ich alle Orte bereist, in denen Spuren meiner Vorfahren zu finden waren, habe dabei viel über die Geschichte der Sklaverei gelernt und wie die Menschen dafür verschleppt wurden. In Kenia durfte ich einen alten Stamm besuchen und einer Zeremonie beiwohnen. Ich musste dabei viel darüber nachdenken, ob meine Vorfahren früher ähnliche Rituale zelebriert haben, und was ihnen womöglich alles genommen wurde.“

Wie er packt

„Immer viel zu viel. Die 23 Kilo für das Gepäck reichen nie. Ich bin manchmal zwei Monate am Stück unterwegs und reise durch völlig verschiedene Klimazonen. Das macht effizientes Packen fast unmöglich, ich muss einfach viel mitnehmen. Und ich liebe Kleidung, wenn andere meinen Kleiderschrank sehen könnten, puh ... Eigentlich ist in meinem Zuhause kaum Platz für eine Frau, also für ihre Garderobe, weil meine so groß ist. Ich werde sie wohl etwas reduzieren müssen.“

Hamilton ist Werbebotschafter für Rimowa. Bei einem Event im Flagship-Store des Labels in Köln bekam er als Geschenk einen Koffer für Vinylplatten. (Foto: Courtesy of Rimowa)

Welche Musik ihn begleitet

„Ich liebe Musik, aber heute höre ich eigentlich am liebsten beruhigende Frequenzklänge. Vor allem vor einem Rennen helfen sie mir, zu fokussieren und in eine Art mentale Zone zu kommen.“

Wo das Fernweh herkommt

„Ich kenne Leute in meiner Heimatstadt, die diese nie verlassen haben. Aber ich habe als Kind viele Filme geschaut, die mich inspiriert haben, in die Ferne zu ziehen. Ich war gerade in New York und muss mich immer noch kneifen, dass ich es dorthin geschafft habe. Meinen ersten Trip dorthin hat meine Mutter finanziert, als ich 17 war. Sie hatte lange dafür gespart. Es hat geschneit, genau wie in meinen Lieblingsfilmen ‚Der Prinz aus Zamunda‘ oder ‚Die Glücksritter‘. New York ist für mich immer noch ein magischer Ort.“

Was gar nicht geht

„Ich habe generell ein Problem mit Hotelbetten. Ich muss leider immer darüber nachdenken, wer in der letzten Nacht vor mir in diesem Bett lag. Es lässt mich einfach nicht los, der Gedanke, dass die Energie einer anderen Person darin präsent ist. Deswegen lege ich mich immer in die Mitte.“