Die antike Stadt in Usbekistan, die zum neuen Leben erwacht

Die antike Stadt in Usbekistan, die zum neuen Leben erwacht

Ein Blick auf Poi Kalon, den meistfotografierten islamischen Tempelkomplex in Buchara. (Foto: Özge Sebzeci)

Mehr als tausend Jahre lang war Buchara, eine Stadt im südlichen Zentralusbekistan, eine der wichtigsten Handelsstädte entlang der Seidenstraßen und ein Zentrum für den Handel von Schmuck, Textilien und Porzellan. Vom etwa 8. bis zum 13. Jahrhundert war sie zudem ein kulturelles Zentrum während des sogenannten Goldenen Zeitalters des Islam, als Gelehrte, Architekten, Mathematiker und Künstler aus der Region entscheidende Erkenntnisse in den Bereichen Mathematik, Medizin und Malerei erlangten. Der Reichtum der Stadt führte zum Bau kunstvoller Moscheen mit türkisfarbenen Kuppeln, Sufi-Gräbern und massiven Festungen aus Lehmziegeln, die aussehen, als stammten sie direkt aus „Game of Thrones“. Heute sind viele dieser Bauwerke noch erhalten und über 140 von der UNESCO geschützte Denkmäler lassen sich bequem zu Fuß erkunden.

Die „Arche von Buchara“, eine aus Lehmziegeln erbaute Festung, mit Blick auf die Altstadt im Hintergrund. (Foto: Özge Sebzeci)

Nun zieht die Stadt die Aufmerksamkeit der Kunstwelt auf sich: Im vergangenen Herbst schufen internationale und usbekische Künstler:innen im Rahmen der ersten Buchara-Biennale ortsspezifische Ausstellungen, arbeiteten gemeinsam an Projekten und trafen sich zu gemeinschaftlichen Festessen. Das Ziel, so die usbekische Kuratorin und Leiterin der Biennale, Gayane Umerova, war es, historische Stätten zu beleben, die Arbeit lokaler Handwerksmeister:innen zu unterstützen und einen Teil der traditionellen Architektur der Stadt zu restaurieren. Doch die Ausstellung hat auch einen wirtschaftlichen Aufschwung bewirkt: Mehrere neue Hotels und Geschäfte entstehen, um den Zustrom internationaler Besucher:innen zu bewältigen. „Die Energie in der Stadt ist spürbar“, sagte Suna Abdullaeva-Park, Mitbegründerin des neuen Concept-Stores und Kulturraums Pavillon Kalon. „Buchara erobert seinen Platz als kulturelles Zentrum zurück.“

Die Insider

Illustration von Richard Pedaline

Abdulvakhid Bukhoriy Karimov ist ein in Buchara ansässiger Keramikmeister, der für die Verwendung seiner traditionellen Glasuren bekannt ist – darunter auch die typisch türkisfarbene Nuance, die man von den Kuppeln der Moscheen der Stadt kennt.

Illustration von Richard Pedaline

Diana Campbell ist eine US-Amerikanerin, die fast zwei Jahre in Buchara verbrachte, um sich als erste Kuratorin auf die Biennale einzustimmen. Heute lebt sie abwechselnd in Belgien und den Niederlanden.

Illustration von Richard Pedaline

Jenia Kim ist die Designerin der in Taschkent ansässige Modemarke J.Kim, die sich von traditionellem usbekischem Kunsthandwerk inspirieren lässt.

Illustration von Richard Pedaline

Suna Abdullaeva-Park ist politische Beraterin und Mitbegründerin von Pavillon Kalon.

Schlafen

Ein Schlafzimmer im Mercure Bukhara Old Town, einem neuen Hotel in der Nähe der Samarkand-Tore. (Foto: Özge Sebzeci)
Der Speisesaal aus dem 19. Jahrhundert im Komil Boutique Hotel. (Foto: Özge Sebzeci)

„Das Mercure Bukhara Old Town ist ein gehobenes Hotel mit 57 Zimmern in der Nähe der Samarkand-Tore und verbindet traditionelle Bucharische Architektur mit modernem Komfort und exzellelentem Service. Der Wellnessbereich hat einen wunderschönen Pool, und das Dachrestaurant ‚Saffron‘ serviert modern interpretierte usbekische Küche.“ Ab ca. 105 US-Dollar pro Nacht. — Suna Abdullaeva-Park

„Das Komil Bukhara Boutique Hotel, das aus dem umgebauten und restaurierten Wohnhaus einer wohlhabenden Familie aus Buchara entstanden ist, bewahrt viele seiner ursprünglichen Einrichtungselemente, darunter handgemalte Wandmalereien, einen Speisesaal aus dem 19. Jahrhundert und ruhige Innenhöfe, die sowohl Privatsphäre als auch natürliche Belüftung bieten – der ideale Ort, um einen lauen Abend zu verbringen.“ Ab 80 US-Dollar pro Nacht. — Jenia Kim

„Das Lyabi House Hotel, ein umgebautes Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert, das ursprünglich von einem jüdischen Kaufmann für sich und seine Familie erbaut wurde, ist ein Stück des historischen Bucharas und ist Zeugnis des großen und anhaltenden Einflusses der jüdischen Gemeinde in Zentralasien. Die Innenhöfe sind kunstvoll angelegt, die Beleuchtung ist angenehm und der Ayvan (die Veranda) des Restaurants ist der schönste in der ganzen Stadt.“ Ab 95 US-Dollar pro Nacht. — Diana Campbell

Essen und Trinken

Ein Tisch im „Joy Gastro“, einem Restaurant in einer alten Karawanserei (Gasthaus aus der Zeit der Seidenstraße). (Foto: Özge Sebzeci)
Eine Platte mit verschiedenen Halva-Sorten im Restaurant „Old Bukhara“. (Foto: Özge Sebzeci)

„Mit der Küchenleitung durch einen Koch in vierter Generation, dessen Urgroßvater einst für den Emir von Buchara kochte, ist das Osh Joy bekannt für sein exzellentes Osh Sofi – eine lokale Variante des Plov (des traditionellen usbekischen Reis-, Gemüse- und Fleischgerichts), das in einem traditionellen Kupferkessel zubereitet wird. Dazu empfehle ich eingelegte Tomaten und Gurken.“ – S.A.

„Das Joy Gastro Restaurant, das sich in einer alten Karawanserei [einer Herberge aus der Zeit der Seidenstraße] im historischen Zentrum der Stadt befindet, verbindet alte Architektur mit zuvorkommendem Service und außergewöhnlicher Küche. Probieren Sie Kaish, das aus Schichten dünner Nudeln und Rind- oder Lammfleisch zubereitet wird, und kommen Sie möglichst an einem Abend vorbei, an dem traditionelle Live-Musik gespielt wird – das trägt zusätzlich zum Charme bei. Das Restaurant ist fast immer voll, daher ist eine Reservierung unbedingt erforderlich.“ – Abdulvakhid Bukhoriy Karimov

„Obwohl es bei Tourist:innen nicht sehr bekannt ist, bietet das Palmira, unweit des Imam-Kozikhon-Mausoleums, eine wunderbare Auswahl an Gerichten, darunter eine köstliche, herzhafte georgische Suppe namens ‚Kharcho‘, die Rindfleisch, Reis, Kirschpflaumensoße und gehackte Walnüsse vereint.“ — S.A.P.

„Das Dilkor Lagman ist ein schnörkelloses Lokal, das mein Mann besonders schätzt. Es ist bekannt für seine handgezogenen Nudelgerichte wie Lagman nach uigurischer Art – eine äußerst sättigende, kräftig gewürzte Kombination aus bissfesten Weizennudeln, gebratenem Fleisch und Gemüse.“ — S.A.P.

„Das Old Bukhara hat sowohl im Innenbereich Sitzplätze als auch auf einer mehrstöckigen Terrasse und ist der perfekte Ort, um Plov zu probieren. Außerdem gibt es dort hervorragende Kebabs – ein weiteres bucharisches Grundnahrungsmittel.“ — D.C.

Shopping

Traditionelle Kopfbedeckungen im „Akbar House“, einer Antiquitätengalerie im historischen jüdischen Viertel von Buchara. (Foto: Özge Sebzeci)
Eine Ecke aus dem Atelier, der Schule und der Boutique des Meisterhandwerkers Davlat Toshev. (Foto: Özge Sebzeci)

„Die Akbar House Collection wird von einem der sachkundigsten und engagiertesten Sammler usbekischen Kunsthandwerks geführt und ist ein Geschäft und eine Galerie mit einer sorgfältig zusammengestellten Auswahl an Vintage-Suzanis, Gewändern, Teppichen und vielem mehr. Besonders das Untergeschoss ist wegen seiner seltenen Stücke einen Besuch wert.“ – J.K.

„Besuchen Sie Zahir Kamalovs Metallwerkstatt im Toqi Zargaron [Bucharas ältester Kuppelmarkt], um sich eine seiner handgefertigten, traditionellen Scheren in Vogelform zu sichern. Ursprünglich wurden sie von den Einwohner:innen Bucharas zum Ausschneiden von Schablonen für Goldstickereien verwendet. Heute sind sie Sammlerstücke.“ – J.K.

„Ich werde nie müde, die Honigstände auf dem Zentralmarkt zu besuchen, gleich hinter den Obst- und Gemüseständen, wo man alle möglichen Sorten probieren kann, darunter eine fermentierte Variante und eine aus Baumwollblüten. Die Händler:innen verpacken den Honig in Plastikbehälter, damit man etwas mit nach Hause nehmen kann.“ – D.C.

„Der Künstler Davlat Toshev fertigt persische Miniaturmalereien an, eine Tradition, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Sein Atelier im Ustoz-Shogird-Zentrum für Angewandte Kunst in der Altstadt ist zugleich eine Galerie, in der Besucher:innen seine Werke erwerben können, und eine Schule, in der er Kindern diese alte Kunst beibringt.“ – J.K.

„Der Pavillon Kalon verkauft die besten Textilien, Kleidungsstücke, Handstickereien, Keramik und Schmuck, von denen vieles von lokalen Handwerkskünstler:innen hergestellt wird. Besuchen Sie unbedingt die Dachterrasse, von der aus Sie einen perfekten Blick auf das Kalyan-Minarett haben.“ – A.B.K.

Entdecken

Das Samaniden-Mausoleum aus dem 10. Jahrhundert. (Foto: Özge Sebzeci)
Ein Brunnen im Innenhof des Sitorai Mohi Hosa, der Sommerresidenz der letzten Emire von Buchara. (Foto: Özge Sebzeci)

„Das Sitorai Mohi Hosa liegt 15 Autominuten von der Altstadt entfernt und war die Sommerresidenz der letzten Emire von Buchara, die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert regierten. Im Palastkomplex, der sowohl von russischer als auch von zentralasiatischer Architektur beeinflusst ist, befindet sich heute ein Museum für Kunsthandwerk mit wunderschönen Exemplaren historischer Möbel und Textilien. Mit etwas Glück können Sie auch die frei herumlaufenden Pfauen beobachten, die angeblich Nachkommen der ursprünglichen Pfauenherde der Emire sind.“ – S.A.P.

Die Baland-Moschee wird nicht mehr aktiv genutzt, was ihre Atmosphäre der Stille nur noch verstärkt. Das bemerkenswert gut erhaltene Innere ist über Jahrhunderte hinweg weitgehend unberührt geblieben; da keine umfangreichen Restaurierungsarbeiten vorgenommen wurden, können Besucher:innen den Raum fast so erleben, wie er im 16. Jahrhundert war.“ — S.A.P.

Hoja Zayniddin, eine Sufi-Moschee und Versammlungshalle aus dem 16. Jahrhundert, verfügt über einen ruhigen Hauz (heiliges Wasserbecken). Die Einheimischen versammeln sich hier sowohl zum Gebet als auch zu ungezwungenen Gesprächen, was den Ort zu einem der authentischsten öffentlichen Treffpunkte der Stadt macht.“ — S.A.P.

„Der Gedenkkomplex Chor-Bakr, bestehend aus einem Mausoleum, einer Moschee und einer Sufi-Madrasa, gilt als einer der wenigen Orte, an denen Frauen bereits im 16. Jahrhundert, als er erbaut wurde, eine religiöse Ausbildung erhalten konnten. Die anmutige, lichtdurchflutete Anlage umfasst mehrere geschlossene Innenhöfe, die einen dynamischen Eindruck vermitteln und den Besucher von einem Raum zum nächsten führen.“ – J.K.

Die anmutigen, geschnitzten Holzsäulen der Thronsaal im Inneren der Arche von Buchara. (Foto: Özge Sebzeci)

„Die Arche von Buchara, eine gewaltige Festung, die ursprünglich im 5. Jahrhundert erbaut wurde, umfasst die Überreste einer Moschee aus dem 12. Jahrhundert sowie Bäder aus späterer Zeit. Von dort aus hat man zudem einen weiten Blick auf das Stadtzentrum.“ – A.B.K.

„Das Samaniden-Mausoleum aus dem 10. Jahrhundert ist bekannt für sein meisterhaftes, kunstvoll gemustertes Mauerwerk, dessen Farbe sich im Laufe des Tages zu verändern scheint. Ich komme oft hierher, um diese handgefertigten Lehmziegel zu betrachten, die Zeugen jahrhundertelanger Geschichte sind.“ – A.B.K.

„Qiz Bibi wurde im 18. Jahrhundert zu Ehren der Heiligen Hazrat Qizbibi erbaut und war ursprünglich vor allem ein Sufi-Schrein, der in den 1930er Jahren teilweise zerstört wurde. Heute kommen Besucher:innen – insbesondere Frauen – hierher, um zu beten und ihre Wünsche zu manifestieren. Der Ort strahlt eine wunderbare spirituelle Energie aus.“ – D.C.

Diese Interviews wurden redaktionell bearbeitet und gekürzt.