An jedem ersten Montag im Mai bildet sich in der Lobby des „The Mark Hotel“ in Manhattan eine Schlange. Sie besteht aus Stylist:innen und Make-up-Artists, Haarspezialist:innen und Assistent:innen, Profis für Nägel und Profis für Augenbrauen. Sie alle haben ziemlich viel Arbeit vor sich und warten darauf, dass die zwei kleinen verspiegelten Aufzüge sie hoch in die Suiten ihrer Kund:innen bringen.
„Die ‚Glam Squads‘ kommen um 10 Uhr morgens, und manchmal stehen hier um die 50 Leute in der Schlange und warten darauf, hochzufahren“, sagt Maria Wittorp. Sie ist seit 2021 Chef Concierge des „Mark Hotel“ und seitdem überwacht sie einen der wichtigsten Tage im Jahr für das Fünf-Sterne-Haus: den Met-Gala-Tag. Wenn im Metropolitan Museum of Art einige der größten Stars aus Showbusiness, Mode und Kultur zusammenkommen und die große Modeausstellung des Museums feiern, liegt das „Mark Hotel“ gerade mal vier Blocks oder eine dreiminütige Autofahrt entfernt.
Auch aus diesem Grund hat es sich zu einem der beliebtesten und wichtigsten Häuser für Gala-Gäste entwickelt und zu einer zentralen Pre- und After-Party-Location: Weil viele Stars sich hier in ihren Suiten auf den großen Auftritt vorbereiten, werden sie vor der Gala oft zum ersten Mal vor dem „Mark Hotel“ fotografiert, wenn sie das Haus verlassen. „Es ist der Red Carpet vor dem Red Carpet“, sagt Maria Wittorp.

Das Hotel feiert in diesem Jahr sein 100. Jubiläum. Es existiert seit 1926, war jedoch zunächst ein eher intimes, durchaus nobles Haus im Art-déco-Stil, das vor allem Menschen aus der Nachbarschaft ansprach. In seine heutige Form wurde es in den frühen Nullerjahren von den aktuellen Besitzern Izak Senbahar und Simon Elias gebracht. Senbahar engagierte den französischen Designer Jacques Grange, der das heute so ikonische Interieur prägte: den schwarz-weiß gestreiften Marmorboden, den Mix aus Mid-Century-Möbeln und moderner Kunst, die skulpturalen Lampen und schimmernden Stoffe. Heute gehört es zu den renommiertesten Luxushotels der Stadt in einer der besten Gegenden von Manhattan: Der Central Park, das Guggenheim, die Frick Collection und die Einkaufsstraßen Madison und Lexington Avenue sind fußläufig zu erreichen.


Mit der Eröffnung des modernen „Mark“ begann auch die enge Beziehung zur Met Gala. Die Vorbereitungen dafür starten bereits im November, sagt Maria Wittorp. Modehäuser und Unternehmen buchen dann bereits die ersten Zimmer. „Jeder, der während der Met Gala hier wohnt, ist auch für die Met Gala hier“, so die Chef Concierge. Sogar New Yorker:innen wie die globale Chefredakteurin der „Vogue“ und Met-Gala-Mastermind Anna Wintour, die in den Tagen rund um das Event gemeinsam mit ihrer Tochter hier unterkommt – immer im gleichen Zimmer (welches, wird nicht verraten).
Vor dem Check-in muss einiges vorbereitet werden: Möbel werden hinaustransportiert, um Platz zu schaffen für die Dinge, die wirklich wichtig sind. „Wir haben Listen zu jedem Gast mit der Anzahl der Dinge, die sie brauchen: wie viele Steamer, wie viele Spiegel, wie viele Stühle“, sagt Maria Wittorp. Selbst die Lobby wird leergeräumt. Es braucht eben Platz, allein für die Kleider, weshalb das Hotel keine Limousinen organisiert, sondern Sprinter-Vans. Wer wann mit dem Aufzug hinunterfährt, das Hotel verlässt und in sein Auto steigt – alles ist streng und auf die Minute geregelt. Der Paparazzi- und Fan-Auflauf vor dem Hotel ist für Wittorp dabei gar nicht mal das Stressigste. „Der schlimmste Tag ist für mich der Tag nach der Gala“, sagt sie. „Wenn 200 Kleidersäcke mit Looks im Wert von Hunderttausenden von Dollar abgeholt werden müssen.“ Immerhin: Zumindest seit sie im Hotel ist, sei noch nie etwas verloren gegangen.