Die Vorteile einer Gesichtsmassage – und wie sie zu Hause gelingt

Illustration von Sacha Strange. Animation von Jonathan Eden.

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Im Gegensatz zu Schultern und Rücken wird das Gesicht bei Massagen oft vernachlässigt. Dabei arbeiten unsere Muskeln an Stirn, Schläfen, Kiefer und anderen Stellen im Gesicht unentwegt, formen unsere Mimik und speichern Verspannungen. Außerdem wirkt regelmäßiges Kneten nicht nur entspannend – es kann auch die Hautelastizität und Durchblutung verbessern, Schwellungen reduzieren und dadurch die gesamten Gesichtskonturen straffen. Im Folgenden teilen vier Expert:innen ihre Tipps, wie man die Gesichtsmassage in seine Pflegeroutine integriert.

Die richtige Technik

Es gibt verschiedene Techniken: Sie reichen von der japanischen Kobido-Methode, bei der man mit gezielten Druckpunkten und rhythmischem Klopfen arbeitet, über klassische Effleurage-Bewegungen europäischer Facials bis hin zu Buccal Massagen, bei denen auch die Gesichtsmuskulatur im Inneren der Wangen bearbeitet wird. Sandra Lanshin Chiu, 51, eine in Brooklyn ansässige Akupunkteurin, die sich auf Dermatologie im Bereich der traditionellen chinesischen Medizin spezialisiert hat, praktiziert Gua Sha, eine jahrhundertealte Methode, bei der mit einem Handinstrument sanft über die Haut gestrichen wird. „Es geht darum, eine gesunde Durchblutung wiederherzustellen, die das Gewebe mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt“, erklärt sie. Viele Expert:innen arbeiten mit einer Kombination unterschiedlicher Stile. Die 49-jährige Kosmetikerin Edyta Jarosz etwa, die in der Shafer Clinic in Manhattan arbeitet, nennt ihren Ansatz „Lift, Sculpt and Slap“. (Der „Slap“ ist bei ihr eher ein rhythmisches, abwechselndes Flattern beider Hände.) Facial-Experte Joseph Carrillo (43), der in seinem Studio an der Upper East Side vor allem für seine Sculpting-Treatments bekannt ist, übt mit gleichmäßigen, gleitenden Bewegungen Druck aus, fast so, als würde er Ton modellieren.

Wie die in New York ansässige Kosmetikerin Raquel Medina-Cleghorn (40) betont, unterscheidet sich eine gewöhnliche Massage von der manuellen Lymphdrainage in der Ausführung: Bei Ersterer arbeitet man mit den Muskeln und Faszien, während man bei Letzterer mithilfe sanfterer Bewegungen auf das Lymphsystem abzielt, das oberflächlicher unter der Haut liegt. Die Handgriffe sind jedoch ähnlich. Bei beiden gilt: „Die Bewegungen sollten vom Zentrum des Gesichts nach oben und außen verlaufen, damit sie die Knochenstruktur hervorheben, die man betonen möchte“, so Medina-Cleghorn.

So legen Sie los

Eine feste Routine ist der Schlüssel zum Erfolg. Beginnen Sie also damit, ein paar Minuten Massage in ein bestehendes Ritual einzubauen – zum Beispiel während Sie ein Reinigungsöl einmassieren oder unter der Dusche, während die Haarmaske einwirkt. Besonders hilfreich ist die richtige Balance aus Gleitfähigkeit und Grip, bemerkt Carrillo. Er vergleicht die Haut mit einer Tanzfläche. Bei beiden sollte die Oberfläche weder zu glatt noch klebrig sein. Lanshin Chiu bereitet das gereinigte Gesicht gerne mit Josh Rosebrooks Hydrating Accelerator-Spray und ein paar Tropfen MyHavtorn‘s Gesichtsöl vor. Wenn Sie im Anschluss Make-up auftragen möchten, empfiehlt Carrillo eine leichte Creme wie die Capture Totale Soft Creme von Dior. Oder Sie folgen der Empfehlung von Medina-Cleghorn und massieren Ihr Gesicht, während Sie es mit dem Purifying Cleanser (einem Balsam, der zu einer Waschlotion wird) von Moussse waschen.

Es gibt kein festes Regelwerk, wie häufig man sein Gesicht massieren sollte. Empfindliche Stellen sollten aber gemieden werden – vor allem bei Unreinheiten oder wenn die Haut anderweitig entzündet ist. Expert:innen empfehlen außerdem, nach Eingriffen wie Botox oder Filler die entsprechenden Stellen etwa zwei Wochen in Ruhe zu lassen, bevor man sie wieder bearbeitet.

Illustration: Sacha Strange

Die richtige Technik für jede Gesichtspartie: Die Kieferpartie

Sowohl Kauen als auch Zähneknirschen machen den Kiefer besonders anfällig für Verspannungen. Wenn der Kaumuskel und die umliegenden Muskeln überlastet sind, kann das zu Schmerzen führen, wodurch das Kiefergelenk stärker hervortritt.

Zur Massage setzt Lanshin Chiu die konkave Aussparung eines Gua-Sha-Steins (ihr Exemplar besteht aus Nephrit-Jade; Wildings aus Bian-Stein) um den Mittelpunkt des Kinns und gleitet dann entlang des Kiefers in Richtung Ohr. Sie empfiehlt, das Werkzeug in einem flachen Winkel zum Gesicht zu halten und dabei Druck auszuüben ‒ ungefähr so fest, als würde man eine Scheibe Toastbrot mit Butter beschmieren. „Der Kiefer ist ein starker Muskel“, sagt sie. „Um ihm wieder eine schöne Form zu geben, muss man manchmal etwas fester zupacken.“

Carrillo nutzt für seine Methode lediglich einen simplen Haushaltsgegenstand: einen Teelöffel. Er drückt die gewölbte Seite des Löffels in den Kaumuskel am Kiefergelenk und nutzt den Stiel als Hebel. „Massieren Sie in Kreisen, bis sich das Metall leicht erwärmt“, erklärt er, „dann gleiten Sie mit dem Löffel unterhalb Ihres Ohrs entlang und über die Seite den Hals hinunter.“

Die Wangenknochen

Im Beauty-Jargon bezieht sich „sculpted“ meist auf die Gesichtspartie, wo volle Wangen auf konturierte Vertiefungen treffen. Eine Massage kann helfen, beide Stellen zu definieren, indem sie die Durchblutung des Gewebes fördert und gleichzeitig Wassereinlagerungen löst.

Jarosz empfiehlt, die Daumen unter den Kiefer zu haken und die Fingerspitzen über die Wangen gleiten zu lassen. Üben Sie in kreisenden Bewegungen Druck auf die Wangen aus und suchen Sie dabei nach verspannten Stellen unterhalb der Wangenknochen, entlang der Nasenflügel oder an den Mundwinkeln. Anschließend Finger und Daumen zusammenführen und die Wangen mit schnellen, federleichten Kneifbewegungen vom Zentrum des Gesichts Richtung Ohr bearbeiten. Zum Abschluss bearbeiten Sie die Wangen mit einer nach oben gerichteten "slapping"-Bewegung – dazu heben Sie mit schnell wechselnden Händen jeweils eine Wange sanft mit den Fingerspitzen an. Wiederholen Sie dies auf der anderen Wange.

Carrillo empfiehlt, die Hände wie beim Gebet über der Nase zu falten: Die Daumen unter dem Kinn, während die Zeigefinger den Wangenmuskel auf beiden Seiten der Nase abtasten. Dabei streichen Sie mit leichtem Druck mit den Zeigefingern über die Wangen bis hoch zu den Schläfen.

Die Stirn

Die Stirnmuskulatur ist maßgeblich dafür verantwortlich, Emotionen auszudrücken. Indem wir etwa die Augenbrauen hochziehen oder sie besorgt zusammenziehen, verrät unsere Mimik, ob wir überrascht oder besorgt sind. Um diese ständigen Verspannungen zwischen Brauenknochen und Haaransatz zu lösen, kann es helfen, den Bereich zu massieren.

Medina-Cleghorn empfiehlt, mit beiden Händen ein Peace-Zeichen zu machen und die Fingerspitzen waagrecht auf die Stirn zu legen. Anschließend bewegt man die Finger mit gleichmäßigem Druck aufeinander zu, so dass sie sich ineinander verschränken, und danach wieder auseinanderziehen. Diese Bewegung wird mehrmals wiederholt, wobei abwechselnd jeweils der andere Zeigefinger oben liegt. (Es erinnert ein bisschen an die Herstellung von Karamellbonbons ‒ wenn man die klebrige Zuckermasse geschmeidiger macht, indem man sie immer wieder auseinanderzieht und zusammenlegt.)

Bei Carrillos Technik werden die Hände wie ein Visier vor das Gesicht gehalten: Er platziert sie jeweils schalenförmig über die Augenbrauen, so dass die Daumen oberhalb der Ohren aufliegen. Die Innenkante der Zeigefinger bewegt man fest über die Stirn nach oben, ohne den Hautkontakt zu unterbrechen. Damit dabei das gesamte Gesicht gestreckt ist, empfiehlt er, den Mund leicht geöffnet zu halten ‒ so als würde man Mascara auftragen.

Die Augenpartie

In diesem Bereich ist die Haut besonders dünn und hat weniger Talgdrüsen, wodurch sie anfällig für Trockenheit und feine Linien ist. Eine sanfte Massage kann hier Schwellungen lindern und dazu beitragen, schlaffe Hautpartien aufzupolstern.

Lanshin Chiu empfiehlt eine sanfte Gua-Sha-Massage. Beginnen Sie, indem Sie die Spitze des Tools entlang der unteren Augenhöhle gleiten lassen und halten Sie dabei den Kontakt zum Knochen. Starten Sie beim äußeren Augenwinkel, bewegen Sie es zum inneren Tränenkanal und wechseln dann die Richtung. Die freie Hand hilft dabei, die Haut rundherum zu stabilisieren.

Jarosz setzt auf kühlende Tools in Kombination mit feuchtigkeitsspendenden Augenpads. Sie empfiehlt den Ice Cryo Roller von Timebeam sowie die Cryo-Sticks von Biologique Recherche. Beide können unterhalb der Augen von den inneren Augenwinkeln bis zu den Schläfen geführt werden. Alternativ funktionieren auch Eiswürfel – idealerweise wickelt man sie in Mullbinden oder ein weiches Tuch.