Diese 13 Kleidungsstücke haben die Mode revolutioniert

Diese 13 Kleidungsstücke haben die Mode revolutioniert

Das Gemälde „Madame X“  im Metropolitan Museum of Art in einer Ausstellung 2025. (Foto: Liao Pan/China News Service/VCG via Getty Images)

Einige Designs haben verändert, wie wir Mode begreifen und tragen – oder sie waren die ersten ihrer Art. Welche Kleidungsstücke wirklich eine Revolution für die Modewelt waren, darüber sprechen unsere Expert:innen: die Designer:innen Erdem Moralioglu, Rachel Scott, Norma Kamali und Edward Buchanan und die Historikerin Carla Sozzani.

1. Das Satinkleid in John Singer Sargents Gemälde „Madame X“ (1884)

„Es wurde von der Porträtierten, Madame Pierre Gautreau [der in Louisiana geborenen Virginie Amélie Avegno], entworfen, einer amerikanischen Pariser Society-Lady, die mit einem französischen Bankier verheiratet war“, sagt der britisch-türkische Modedesigner Erdem Moralioglu, 48. „Das Gemälde war ein regelrechter Skandal, da sie in einem besonders konservativen Zeitalter in diesem freizügigen schwarzen Kleid dargestellt ist. In Sargents Andeutung liegt eine gewisse Erotik: Ein Träger war ursprünglich so gemalt, als wäre er heruntergerutscht, und wurde später wieder übermalt. Für mich ist es ein wunderschönes Beispiel für weibliche Stärke.“

2. Henriette Negrins Delphos-Kleid für Fortuny (1907)

Foto: Jack Mitchell/Getty Images

„Man kann es zusammengerollt aufbewahren und es lässt sich leicht verstauen, was so modern ist“, sagt die in New York lebende Designerin Rachel Scott, 42, Kreativdirektorin von Proenza Schouler und ihrer eigenen Linie Diotima, über dieses plissierte, säulenförmige Seidenkleid. Inspiriert von griechischen Tuniken entwarf Negrin das Kleidungsstück gemeinsam mit ihrem Ehemann Mariano Fortuny, einem in Spanien geborenen venezianischen Designer und Künstler, der für seinen innovativen Umgang mit Materialien bekannt ist. „Seine Tragbarkeit und die Tatsache, dass es nicht auf einen bestimmten Körper zugeschnitten ist, machen es modern“, fügt Scott hinzu. „Es beeinflusste Madame Grès, Halston und Issey Miyake und wirkt wie etwas, das auch heute noch revolutionär wäre, wenn es jetzt hergestellt würde.“

3. Das kleine Schwarze von Gabrielle „Coco“ Chanel (1926)

Foto: Condé Nast via Getty Images

„Indem sie die Größe und Länge der Kleidung, die Frauen trugen, veränderte, veränderte sie auch ihren Lebensstil“, sagt die amerikanische Designerin Norma Kamali, 80. Mit ihrem kleinen Schwarzen – das oft aus schwarzem Crêpe de Chine mit tief sitzender Taille und langen Ärmeln gefertigt war – verabschiedete sich Chanel, die bereits in den 1910er Jahren begann, Korsetts durch lockerere, bequemere Jersey-Kleidung zu ersetzen, von einengender Kleidung und machte Schwarz zu mehr als nur einer Trauerfarbe. „Sie veränderte die Art und Weise, wie Frauen gehen, und gab ihnen das Selbstvertrauen und die Kraft, sich leichter in der Welt zu bewegen“, sagt Kamali. „Es gibt andere Designer, die das Leben von Frauen verändert haben, aber keiner so tiefgreifend wie Chanel.“

4. Christian Diors Barjacke (1947)

Foto: Shutterstock

„Mit seiner ‚New Look‘-Kollektion hat Christian Dior die Mode revolutioniert“, sagt Carla Sozzani, 78, Präsidentin und Mitbegründerin der Fondation Azzedine Alaïa, die kürzlich in Paris eine Ausstellung eröffnet hat, in der die Couture-Arbeiten des 2017 verstorbenen, in Tunesien geborenen französischen Designers Alaïa mit denen von Dior verglichen werden. Mit seiner Bar-Jacke, einem cremefarbenen Kleidungsstück aus Seidenshantung mit tailliertem Schnitt und gepolsterten Hüften, „brachte Dior das Korsett [sowie abgerundete Schultern und strukturierte Oberteile] zurück, das aus der Mode gekommen war. Gleichzeitig brachte er feminine Leichtigkeit zurück, die bis heute nicht nur die Dior-Kollektionen [von Jonathan Anderson], sondern auch Matières Fécales [eine von Hannah Rose Dalton und Steven Raj Bhaskaran gegründete Marke] beeinflusst. Wenn Menschen etwas Feminines entwerfen wollen, kreieren sie einen weiten Rock und eine sehr enge Jacke – dieser Einfluss ist zeitlos.“

5. Das Angelina-Dashiki (1962)

Foto: © Vlisco. Image courtesy of the Philadelphia Museum of Art

„Das Dashiki ist eine Art mystisches Kleidungsstück“, sagt der amerikanische Designer und Kreativdirektor Edward Buchanan, 55. „Wir alle erkennen den Dashiki-Druck [oft symmetrische, geometrische und florale Muster, die auf einen V-förmigen Ausschnitt zentriert sind] und wissen, dass er mit afrikanischen Völkern oder deren Nachkommen in Verbindung steht. Entworfen wurde er jedoch von Toon van de Mannaker, einem niederländischen Designer, der für das niederländische Textilunternehmen Vlisco arbeitete. Später als ‚Angelina‘ bekannt, benannt nach einem gleichnamigen Song der [ghanaischen Highlife-Band] The Sweet Talks, wurde es erstmals in den frühen 1960er Jahren für den zentralafrikanischen und westafrikanischen Markt hergestellt. 1967 begannen zwei New Yorker namens Jason Benning und Howard Davis, sie in Harlem zu verkaufen, und sie setzten sich durch. Das Dashiki wurde von Schwarzen während der Bürgerrechts- und Black-Power-Bewegungen als Protestkleidung getragen und war ein Symbol oder Zeichen dafür, dass man Teil einer geeinten Gemeinschaft war – und ist es immer noch.“

6. Der Minirock (Mitte der 1960er Jahre)

Foto: Bert Stern/Condé Nast via Getty Images

„Zum ersten Mal in der Geschichte trugen Frauen Röcke, die über den Knien oder auf halber Oberschenkelhöhe endeten“, sagt Kamali über das Aufkommen des Miniröcks, das oft Mary Quant zugeschrieben wird, der englischen Designerin, die ihn Anfang bis Mitte der 1960er Jahre in London populär machte, sowie André Courrèges, dem französischen Designer, der ihn 1964 in eine Kollektion aufnahm. (Das hier abgebildete Modell stammt von Annemarie Gardin, einer in New York lebenden Schweizer Designerin jener Zeit.) „Die Leute waren außer sich. Sie konnten es kaum glauben. Ich habe meine eigenen Röcke so schnell wie möglich gekürzt. Autos hielten quietschend an und [die Leute] nannten mich eine Prostituierte!“

7. Yves Saint Laurents „Le Smoking“ (1966)

Yves Saint Laurent 1996/97 (Foto: Getty Images)

„Der Überlieferung zufolge wurde der klassische Smoking“ – oft aus Samt oder Satin gefertigt und nach dem Abendessen über der formellen Abendgarderobe getragen – „für Männer entworfen, die dabei Zigarren rauchten“, sagt Buchanan, um den Geruch zu absorbieren. „Und dann sagte Saint Laurent 1966: ‚Ich möchte einen Smoking für Frauen entwerfen.‘ Aber er wollte ihr nicht einfach den Herren-Smoking überziehen, also entwarf er eine neue Silhouette für die weiblichen Kurven und versah ihn mit einem großzügigeren Kragen. Für mich wurde mit Le Smoking das Wort ‚chic‘ erfunden. Alle nachfolgenden Damen-Smokings“ – von Marc Jacobs, Helmut Lang, Phoebe Philo oder Stefano Pilati – „stammen von Le Smoking ab.“

8. Stephen Burrows’ Kleider mit Wellenrand (1970er Jahre)

Foto: Peter Simins/WWD/Penske Media via Getty Images

„Die meisten wissen nicht, dass, wenn sie einen Wellensaum sehen“ – eine gewellte Kante, die normalerweise für Strickwaren reserviert ist – „bei Miu Miu, Proenza Schouler oder Rick Owens, er diesen erfunden hat“, sagt Buchanan über Burrows, den ersten afroamerikanischen Designer, der internationale Anerkennung erlangte. „Wenn man den Stoffrand näht, spannt man ihn und macht dann einen Overlockstich. Wenn man ihn loslässt, federt er zurück – und es entsteht ein kleiner gerollter Rand. Das war sein Markenzeichen. Heute, wo alles upcycelt und gepatchworkt wird, entdecken Designer diese Technik wieder, weil es die einfachste Art ist, zwei Stoffstücke miteinander zu vernähen.“

9. Die Leggings von Azzedine Alaïa (Anfang der 1980er Jahre)

Azzedine Alaïa 1991/1992 (Foto: Getty Images)

„Niemand hat das gemacht“, sagt Sozzani. „Er ließ sich von den Entwürfen der französischen Modeschöpferin Madeleine Vionnet aus dem 20. Jahrhundert inspirieren und davon, dass sie dem Körper Bewegungsfreiheit gewährte. Er entwickelte all diese Garne, die seine Kreationen wie Skulpturen wirken ließen, und machte Strickmode zu einer Lebensart. [Chanel und] Sonia Rykiel hatten zuvor schon Strickmode entworfen, aber so viel davon im Kleiderschrank zu haben, war ungewöhnlich. Alaïa erweiterte sein Sortiment von Leggings auf Kleider und Mäntel – er strickte einfach alles.“

10. Die „Bumster“-Hosen von Alexander McQueen (Herbst 1993)

Foto: Catherine Mcgann/Getty Images

„Es war ein seltsamer Ansatz in Sachen Sinnlichkeit und Erotik, bei dem ein Körperteil in den Vordergrund gerückt wurde, der einem normalerweise Ekel bereiten würde“, sagt Scott über die tief sitzenden Hosen des britischen Provokateurs, die so geschnitten waren, dass sie den oberen Teil des Gesäßes freilegten. „Das Groteske wurde erotisch. Ich liebe diese Spannung zwischen Schneiderkunst und Erotik. Schlechter Geschmack, meisterhaft umgesetzt.“

11. Jean Paul Gaultiers bedruckte Mesh-Oberteile (Frühjahr 1994)

Jean-Paul Gaultier 1994 (Foto: Getty Images)

„Es war skandalös“, sagt Buchanan und bezieht sich dabei auf die Kollektion des französischen Designers, zu der auch Trompe-l’œil-Mesh-Oberteile gehörten, die wie tätowierte Haut aussahen. „Pure Provokation, gepaart mit handwerklichem Können und Design. Man darf nicht vergessen, dass Gaultier derjenige war, der [den avantgardistischen belgischen Designer] Martin Margiela ausgebildet hat.“

12. Xuly Bët’s Kollaboration mit Puma (Frühjahr 1995)

https://www.instagram.com/p/CJUCVAFgbQM/?img_index=1

„Diese Zusammenarbeit, die vom malischen Designer Lamine Kouyaté ins Leben gerufen wurde, war die erste ihrer Art“, sagt Buchanan. „In den 1990er Jahren blieb man als Sportbekleidungsmarke hier und als Luxusmarke dort.“ „Aber Kouyaté“ – der aus recycelten Kleidungsstücken und Restbeständen farbenfrohe Kleidung herstellte – „war von Sportbekleidung besessen, knüpfte Kontakte zu Puma und gemeinsam entwarfen sie diese ausgefallene, coole Streetwear-Kollektion. Sie umfasste dekonstruierte Kleider und Oberteile aus Funktionsstoffen, die mit dem Puma-Logo versehen waren. Das war seiner Zeit weit voraus. [Die andauernde Partnerschaft zwischen] Yohji [Yamamoto] und der Y-3-Linie von Adidas hätte es ohne ihn nicht gegeben. [Der britische Designer] Kim Jones und Supreme oder Balenciaga und Under Armour hätten es ohne ihn nicht gegeben. Er war der Erste.“

13. Marjan Pejoskis Schwanenkleid (Herbst 2001)

Foto: Steve Granitz/A.P.

„Die Oscars sind für diejenigen, die sich am konventionellsten kleiden“, sagt Moralioglu. „Und [im Jahr 2001 entschied sich die isländische Sängerin] Björk, die kulturell so avantgardistisch ist, für ein Schwanenkleid des [mazedonischen Designers] Marjan Pejoski, was völlig verrückt war. Aber sie sah umwerfend aus. Das geschah in einer Zeit der Offenheit und des Experimentierens, und ich glaube, dieses Kleid verkörpert genau das.“

Diese Interviews wurden redaktionell bearbeitet und gekürzt.