Ein Slingback aus zerknautschtem Gold und Silber

Ein Slingback aus zerknautschtem Gold und Silber

Links: Pumps aus goldfarbenem Lammleder mit Aged¬-Effekt und Kappe in Metallic-Silber, von Chanel, um 1250 Euro. Rechts: Historisches Vorbild: Marie-Hélène Arnaud, eines von Cocos Lieblings-Mannequins, führt 1959 das klassische Tweed-Kostüm vor, natürlich zu den passenden Bi-Color-Pumps. (Foto von Kate Jackling, Styling von Carmen Färber)

Gabrielle Chanel war eine Frau mit einer starken Meinung, erst recht, wenn es um Mode ging. Dass sie überhaupt Designerin wurde, hatte auch damit zu tun, dass ihr so vieles an der typisch weiblichen Garderobe ihrer Zeit nicht gefiel – die vom Korsett eingeengten Silhouetten, die bauschigen Kleider mit unpraktischen Reifröcken. Und die hohen Schuhe. 1957 wollte sie eine Alternative zum omnipräsenten Stiletto entwickeln. Gemeinsam mit dem Pariser Schuhmacher Raymond Massaro, dessen Unternehmen Massaro heute zu den Métiers d’Arts-Ateliers von Chanel gehört, entwarf sie den zweifarbigen Slingback-Pump. Der beigefarbene Schuh mit schwarzer Spitze war eine ebenso elegante wie funktionale Lösung: Er sollte das Bein optisch verlängern, die dunkle Kappe den Fuß kleiner wirken lassen. Der nur leicht erhöhte Absatz erleichterte das Gehen und der locker sitzende Riemen engte den Fuß nicht ein. Der Farbmix erinnerte an die maskulinen Schnürschuhe mit dunkler Kappe, die in den 1920er Jahren in Mode waren. Schon kurze Zeit nach seinem Debüt war der Entwurf fester Bestandteil des Chanel-Vokabulars – und zählt heute zu den Klassikern des Hauses. Chefdesigner Matthieu Blazy interpretiert ihn in seiner ersten Herbst- und Winter-Kollektion für das Haus neu, indem er vor allem die Proportionen verändert. Der Ausschnitt sitzt höher und verkürzt den Fuß, die Seiten sind geschlossen und der schwarze Schnabel wird zu einem schmalen Bogen, der gerade so die Zehen streift. Der Mix aus zerknautscht aussehendem goldfarbenem Leder und einer silbernen Spitze ersetzt die Eleganz des historischen Vorbilds mit rebellischer Extravaganz, macht aus einem Alltagsschuh einen Begleiter für lange Nächte auf vollen Tanzflächen. Dazu passt, dass die Absatzhöhe bei gerade mal achteinhalb Zentimetern liegt. Damit kann man sich immer noch gut fortbewegen – damals wie heute!