Elizaveta Porodina über Mystisches und das Fell ihrer Katzen

Elizaveta Porodina über Mystisches und das Fell ihrer Katzen

Elizaveta Porodina beantwortet den „What’s Your Reference?“-Fragebogen. (Foto: Josef Beyer)

Im Zeitalter der KI, in dem Feeds und Kanäle von immer gleichen Inhalten und Bildern geprägt werden, gewinnen persönliche Referenzen, über Jahre gesammelt und verfeinert, zunehmend an Bedeutung. In unseren 13 Fragen erzählen Kreative, Tastemaker und Meinungsmacher:innen von den Bildern und Ideen, die sie in ihrem Berufs- und Privatleben inspirieren – und ihren persönlichen Geschmack nachhaltig geprägt haben.

Ein:e Modedesigner:in, der:die Ihnen dabei geholfen hat, Ihren eigenen Stil zu finden?

Issey Miyake und „Pleats Please“, Rei Kawakubo und Comme des Garçons, vielleicht auch Ann Demeulemeester. Ich liebe Kleidung, die einem erlaubt, eine pragmatische, arbeitende, fleißige Person zu sein, die in ihrer Bewegungsfreiheit vollkommen uneingeschränkt ist – und dabei trotzdem etwas Magisches, Mystisches, Verträumtes und Verspieltes zu behalten.

Welches Buch verschenken Sie gerne an andere?

„The Secret History“ von Donna Tartt – für mich eines ihrer besten Bücher, zusammen mit „The Little Friend“. „A Little Life“ von Hanya Yanagihara: Ich weiß sehr genau, wie sehr dieses Buch polarisiert, aber es ist eines der Bücher, die mich mit unglaublich viel Leben erfüllt haben. Und „Tomorrow, and Tomorrow, and Tomorrow“ von Gabrielle Zevin, um wieder etwas Spielerisches und Lebensbejahendes ins Spiel zu bringen.

Was ist Ihr Lieblingsstück in Ihrer Einrichtung oder Ihr Lieblingsmöbelstück in Ihrem Zuhause?

Das Beste, was wir in unserem Apartment je für uns getan haben, war, das Wohnzimmer komplett auszuräumen und daraus einen Fitness- und Wellnessraum zu machen. Das hat meinem Mann und mir unglaublich viel Freiheit geschenkt, unserer gemeinsamen Leidenschaft nachzugehen und immer wieder neue Dinge auszuprobieren. Selbst unser Balkon ist voller verschiedener Geräte, an denen wir neue Skills üben können. Manche finden das exzentrisch – für uns war es die beste Entscheidung.

Welches Gebäude versetzt Sie immer wieder in Staunen?

Die Kathedrale „La Seu“ in Palma de Mallorca – und ganz besonders die „Capella del Santíssim“ von Miquel Barceló. Mich fasziniert, wie mühelos dort etwas Wildes, Natürliches und beinahe Ursprüngliches mit der Disziplin der gotischen Architektur zusammenkommt. Diese Verbindung aus wilder Mystik und architektonischer Strenge versetzt mich immer wieder in Staunen.

Oper, Ballett, Theater – welche dieser Kunstformen gefällt Ihnen am besten und warum?

Ich bin tatsächlich mit allen drei Kunstformen aufgewachsen. Eine Zeit lang wollte ich sogar Opernsängerin werden und habe vier Jahre lang ziemlich viel Zeit und Energie in Operngesang investiert – bis ich feststellen musste, dass ich wohl niemals Maria Callas werde, und es aufgegeben habe.
Theater wiederum war eine große gemeinsame Leidenschaft meiner Mutter und mir. Ich habe schon als sehr kleines Mädchen unglaublich viele Aufführungen gesehen und dadurch, glaube ich, gelernt, diese Sprache ganz selbstverständlich und ohne allzu viel Ehrfurcht zu sprechen. Das hat sicher sehr stark beeinflusst, wie ich mich heute ausdrücke und wie ich Narrative aufbaue.
Und für Ballett empfinde ich eine enorme Leidenschaft. Ich hatte das große Glück, bereits mehrfach mit dem New York City Ballet an ihren Kampagnen zu arbeiten. Diese Verbindung aus Grenzathletik, Schönheit und Ausdruck – und gleichzeitig der unglaubliche Respekt der Tänzer:innen vor ihrer Disziplin – fasziniert und inspiriert mich immer wieder.

Welche Fernsehfigur haben Sie als Kind bewundert?

Xena, die Kriegerprinzessin. Seit ich klein war, war sie ein absolutes Vorbild für mich. Ich lief im Hof herum und war mit einem Stock und meinem Kriegsgeschrei eine Gefahr für alle um mich herum. Aber im Ernst: Xena war für mich eine starke Frau, die keinen Mann an ihrer Seite brauchte, die eine nonkonforme Beziehung führte und ihre Probleme vollkommen unabhängig von männlicher Unterstützung löste. Das fand ich schon als Kind unglaublich. Und natürlich war ihr Outfit fantastisch.

Welcher Film hat einen besonderen Platz in Ihrem Herzen?

 „Obsession“ von Curry Barker – für mich ein absolut perfekter Film, mit einem unglaublichen Drehbuch und einer extrem überzeugenden Inde Navarrette. „SentimentalValue“ für diese besondere Magie im Gewöhnlichen. Und natürlich „The Zone of Interest“ für eigentlich alles – aber unter anderem für diesen gigantischen Soundtrack, der sich anfühlt wie ein eigener Film im Film.

Welche Ausstellung hat Sie besonders geprägt?

Eine der ersten, die mir spontan in den Sinn kommt – von wirklich vielen Ausstellungen über die Jahre –, ist eine große Retrospektive von Josef Koudelka, die wir bei unserer ersten Reise nach Los Angeles im LACMA gesehen haben. Die Reinheit seiner Bilder, ihre emotionale Intensität, ihr Mut und gleichzeitig die Poesie, die in jedem einzelnen steckt, haben mich nachhaltig beeindruckt und unglaublich inspiriert.
Eine andere war die Ausstellung von Magdalena Abakanowicz in der Tate Modern. Mich beeindruckt nicht nur ihre Arbeit, sondern auch der Weg, den sie als Künstlerin gegangen ist: wie sie von ihren Zeitgenossen belächelt und als „Textilkünstlerin“ abgewertet wurde – und gleichzeitig in den engen vier Wänden ihrer Wohnung diese grandiosen Werke geschaffen hat. Das finde ich mehr als beeindruckend.
Und zuletzt Miriam Cahn im Palais de Tokyo. Einfach, weil sie eine meiner absoluten Lieblingskünstlerinnen ist und ich mir immer alles von ihr ansehen würde.

Wer ist Ihr:e Lieblingsfotograf:in?

Josef Koudelka, aus den bereits genannten Gründen. Anders Petersen für etwas, das er selbst einmal als seine Schwäche bezeichnet hat und das ich für eine seiner größten Stärken halte: dass er mit beiden Füßen mitten im Konflikt seiner Subjekte steht. Und Gordon Parks für die unglaubliche Vielfalt seines Schaffens und seine absolute Offenheit, sich bis ans Ende seines Lebens immer wieder neuen Medien zuzuwenden – und sie scheinbar mühelos zu meistern.

Welches Material berühren Sie am liebsten immer wieder?

Das Fell meiner beiden Katzen. Davon kann ich nicht genug bekommen. Es hat die beste Vibration, die schönste Energie und ist für mich damit ganz eindeutig das schönste Material der Welt.

Was sammeln Sie am liebsten?

Ich habe eine große Schwäche für Schmuck. Besonders für ausgefallene, viel zu große Ringe aus allen möglichen Preiskategorien, aber auch für Ketten. Am meisten zieht mich alles an, was mit natürlichen Motiven spielt – Blumen, Tiere, organische Formen –, vor allem, wenn diese auf eine ungewöhnliche, unerwartete Art umgesetzt werden.

Welche Stadt inspiriert Sie immer wieder am meisten?

New York zieht mich einfach immer wieder in seinen Bann. Jedes Mal, wenn ich in diese Stadt komme, habe ich das Gefühl, romantisch verliebt zu sein. An jeder Ecke wartet eine vollkommen neue Überraschung, neue Inspiration – mit all den Menschen, die dort existiert, geliebt und geschaffen haben. Die Architektur, die Weite und gleichzeitig die unglaubliche Intimität dieser Stadt sind für mich ein faszinierendes Paradox.

Welches Musikvideo hat Ihre ästhetische Wahrnehmung geprägt?

Da ist das Werk von Floria Sigismondi für mich absolut unschlagbar. Ihre Arbeit ist bis heute eine Quelle der Inspiration und hat mich vor allem in meinen formativen Jahren extrem beeinflusst. Die alten Marilyn-Manson-Videos, aber auch „Fighter“ von Christina Aguilera und einige ihrer Videos für The Cure – diese Bildwelten haben sich unglaublich tief bei mir eingeprägt.