Haute Joaillerie im Museum: Wenn Entwürfe auf ewig glänzen

Haute Joaillerie im Museum: Wenn Entwürfe auf ewig glänzen

Koloman Moser, Paravent, 1906. (Courtesy of MAK/Georg Mayer). Darauf: Collier Zip, 1955. (Sammlung Van Cleef & Arpels).

Als im Jahr 1906 in Paris das Juwelierhaus Van Cleef & Apels gegründet wurde, bildete sich in Wien eine neue kreative Bewegung. Künstler:innen wie Gustav Klimt etablierten eine neue Form- und Bildsprache, die Wiener Werkstätte und ihre Gründer Koloman Moser und Josef Herrmann prägten mit ihren Designs und ihrem Handwerk die Interieurs des frühen 20. Jahrhunderts.

Dass das Ehepaar hinter Van Cleef & Arpels, Estelle Arpels und Alfred Van Cleef, sich womöglich von ähnlichen Ideen und Themen inspirieren ließ wie die Kreativen in Österreich ist nicht nur wahrscheinlich. Dank einer neuen Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst MAK in Wien kann man sich dessen ziemlich sicher sein. „Glanzstücke. Van Cleef & Arpels High Jewelry x Masterpieces from the MAK Collection“ stellt Preziosen aus der Patrimoine-Sammlung des Juweliers Kunstwerken und Kunsthandwerk aus der Sammlung des Museums gegenüber. Die Idee zu der Ausstellung kamen der Managing Director des Hauses für Deutschland und Österreich Tatiana Ivanova sowie der Direktorin des Museums Lilli Hollein nach einem Kennenlernen bei der Eröffnung der Boutique von Van Cleef & Arpels in Wien. Hollein verweist auf die Parallele des Gründungsjahrs der Maison mit dem Aufkommen einer künstlerischen Epoche, die in dem Museum und seiner Sammlung so präsent sei. „Auf der anderen Seite verbindet beide Seiten die Hingabe zu exzellentem Handwerk.“

Die Ausstellung wurde gemeinsam von Anne-Katrin Rossberg, Kuratorin des MAK, und  Alexandrine Maviel-Sonet, Patrimony & Exhibitions Director bei Van Cleef & Arpels, kuratiert. Sie umfasst 300 Stücke aus der Sammlung des Juweliers und 200 aus der Sammlung des Museums. „Unsere Patrimoine-Sammlung besteht aus circa 3000 Stücken, das finden wir schon beachtlich. Aber das Museum hat in seiner Sammlung um die 700.000 Objekte, das war am Anfang etwas überwältigend“, sagt Maviel-Sonet. „Also haben wir beschlossen, uns auf Themen zu konzentrieren, die wir als Gemeinsamkeiten zwischen den Sammlungen definiert haben und die Ausstellung in Kapitel zu gliedern.“

Fritz Zeymer, Illustration für das 1. Programmheft des Cabaret Fledermaus, 1907. (Courtesy of MAK/Georg Mayer). Darauf: Little Winged Fairy Clip,1941. (Sammlung Van Cleef & Arpels)

Sechs Themenwelten werden dabei erkundet: Wanderlust, welches Inspirationen aus anderen Kulturen und Reisetraditionen beschreibt. Außerdem Architektur, Rhythmische Designs, die Welt der Bühne, Balletts und Theaters, Verwandlung sowie Natur und Kosmos. Da tauschen sich Armbänder mit ägyptischem Muster aus dem Jahr 1924 mit einem Entwurf für ein Mosaik von Gustav Klimt aus dem Jahr 1910 aus, der von ägyptischen Zeichnungen inspiriert ist. Ein Metallkorb mit Gitter-Struktur von Josef Hoffmann aus dem Jahr 1907 erinnert man die berühmte „Mystery Set“-Technik von Van Cleef & Arpels, das Armspangen aus den 30er- und 40er-Jahren schmückt. „Beide zeichnen sich durch kurvige Linien aus. Sie sind quasi wie füreinander gemacht“, sagt Alexandrine Maviel-Sonet. Ein goldfarbener Paravent von Koloman Moser wird der wandelbaren „Zip Necklace“ des Juweliers gegenübergestellt, eines der frühesten Beispiele für die Tradition des Hauses, wandelbare Schmuckstücke zu entwickeln.

Dagobert Peche, Wiener-Werkstätte-Stoff Marina, 1912. (Courtesy of MAK/Branislav Djordjevic) Darauf: Armband aus der Garnitur Op Art, 1970.(Sammlung Van Cleef & Arpels)

Die Exponate des Museums stammen nicht nur aus dem frühen 20. Jahrhundert, sondern aus den unterschiedlichsten Jahrhunderten. Eben das, so Maviel-Sonnet, mache es so interessant zu sehen, wie sich Muster und Designs, zwischen denen manchmal Jahrzehnte lägen, ähnelten oder wiederholten – wie bei einem „Op Art Set“ aus goldenem Collier und Armband mit Schlangenlinien-Muster aus dem Jahr 1970 und einem bedruckten Stoff von Dagobert Peche von 1912. Ob Schmuck, Gemälde, Haushaltsgegenstand, Poster oder Möbelstück: In dieser Ausstellung erzählt jedes Objekt von Ideen und Entwürfen, die die Zeit überdauert haben.

„Glanzstücke. Van Cleef & Arpels High Jewelry x Masterpieces from the MAK Collection“ im MAK Wien läuft vom 10.6. bis 27.9.2026.