Es ist eine Tradition, der in diesem Jahr eine besondere Bedeutung zugeteilt war: Das Haus am Waldsee in Berlin feierte Anfang Juli sein alljährliches Sommerfest, und gleichzeitig auch seine 80 Jahre währende Geschichte. Über 2000 Gäste kamen, um Performances und Lesungen zu erleben sowie in einem der schönsten Gärten Berlins den Beginn des Sommers zu genießen.
Das Haus am Waldsee ist das älteste Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst in Berlin. Die Villa in Berlin Grunewald wurde ursprünglich im Jahr 1922 für den jüdischen Textilfabrikanten Herrmann Knobloch errichtet. Direkt am kleinen Waldsee gelegen, vereint sie die noble Eleganz eines Anwesens im englischen Landhausstil mit der naturnahen und parkähnlichen Atmosphäre des sie umgebenden Gartens am Seeufer. 1946 wurde aus dem Haus ein Museum, das sich vor allem jenen Künstler:innen widmete, deren Arbeit während des Zweiten Weltkrieges unter der Nazi-Herrschaft als „entartet“ verunglimpft worden war: Käthe Kollwitz, Hannah Höch, Max Ernst, Oskar Schlemmer oder Karl Schmidt-Rottluff.
Heute gilt das Haus am Waldsee als Juwel in Berlin und immer noch ein wenig als ein Geheimtipp, der sich abseits der Museumsinsel mit ihren großen Häusern im bürgerlichen Grunewald versteckt. Aktuell würdigt das Haus mit der Ausstellung „Wo ich wohne“ seine eigene Geschichte: Die internationale Gruppenausstellung setzt sich mit der Architektur und der Geschichte des Ortes auseinander und entfaltet sich entlang einer raumgreifenden Arbeit des Künstlers Richard Venlet. Sie bringt historische wie neue Arbeiten von Nigin Beck, Rhea Dillon, Robert Haas, Alexandre Khondji, Atiéna R. Kilfa, Henry Koerner, Yoora Park, Renée Sintenis, Ian Waelder, Frau von Zinowiew und weiteren zusammen. Arbeiten aus der frühen Ausstellungsgeschichte des Hauses treten in Dialog mit Neu-Interpretationen des Ortes. Der Titel ist inspiriert von der Kurzgeschichte „Wo ich wohne“ von Ilse Aichinger, ein Hinweis aus die Verbindung zwischen gesellschaftlichen Verhältnissen und gebauter Umgebung, die auch in von der Geschichte des Museums reflektiert wird.
In einer von Zerstörung und Wiederaufbau geprägten Stadt wie Berlin erzählt auch das Haus am Waldsee davon, welche Spuren und Geschichten Architektur in sich trägt und wie besonders es ist, wenn ein Gebäude weiterleben und sich neu erfinden darf. Zum Sommerfest traten internationale Künstler:innen wie der irische Musiker Seán Being oder die US-amerikanische Puppenspielerin Sophie Becker auf, dazu gab es Lesungen, Workshops und Führungen. Das Haus am Waldsee ist längst auch ein Ort der Begegnung und des kreativen Austauschs zwischen Menschen aus verschiedenen Disziplinen und Generationen. Kunst wird hier zum verbundenen Element, und nach 80 Jahren spürt man das mehr denn je.



