Wer hat behauptet, dass die „Special Relationship“ bereits beendet ist? In diesem Jahr werden drei aus den USA stammende Hotelmarken in London ihre Pforten öffnen: Ein Waldorf Astoria im denkmalgeschützten Admiralty Arch, das ursprünglich zu Ehren von Königin Victoria in Auftrag gegeben wurde; eine Auberge in einer Palladio-Residenz, die im 18. Jahrhundert für einen Grafen erbaut wurde; und ein St. Regis, das nach der Sanierung des ehemals mit Portland-Stein verkleideten Westbury Mayfair Hotels entsteht. Und auch Nick Jones, der Gründer von Soho House, einem der erfolgreichsten britischen Exporte im Gastgewerbe, kehrt in seine Heimat zurück: Im September wird er das St. Clement mit Blick auf die Themse eröffnen – sein erstes Hotel seit seinem Rücktritt als CEO des Mitgliedervereins.
Doch man muss gar nicht erst auf diese Neuzugänge warten: Im Folgenden stellen wir vier weitere bemerkenswerte Unterkünfte vor, die in den vergangenen sechs Monaten bereits in der Hauptstadt eröffnet wurden und jeweils eine Reihe von Attraktionen bieten: Etwa riesige Spas, versteckte Gärten und hervorragende Chicken Pies.

The Zetter Bloomsbury
Das dritte Londoner Hotel der Zetter Group umfasst sechs miteinander verbundene georgianische Stadthäuser und einen der größten Gärten in der Londoner Innenstadt, der direkt an das British Museum grenzt. Der Designer James Thurstan Waterworth ließ sich bei der Gestaltung der Innenräume von dem historischen Museum inspirieren: In den öffentlichen Bereichen präsentieren Vitrinen und Regale Porzellan aus dem Schiffswrack „Hoi An Hoard“ sowie afrikanische Masken. An den Wänden hängen altägyptische Perlenstickereien und türkische Textilien neben Kunstwerken aus der Mitte des Jahrhunderts von Sandra Blow, Terry Frost und Vertretern der St. Ives-Schule. Ebenso eklektisch ist die Einrichtung: Im Empfangsbereich mit zwei Kaminöfen steht ein Chinoiserie-Schrank aus dem 18. Jahrhundert neben einem antiken Bauernhaustisch. Die 68 Zimmer haben entweder holzvertäfelte Wände oder sind mit Stoffbahnen verkleidet. In den Suiten stehen Badewannen auf Löwenfüßen und Himmelbetten. Das Restaurant „Orangery“, das Frühstück und Nachmittagstee (Sandwiches und hausgemachte Scones) anbietet, bietet ebenfalls einen Ausblick auf den Garten. Dort gibt es inmitten der Pflanzen auch genug Platz für Krocket und Yoga. Diesen Sommer findet in der Außenküche eine Veranstaltungsreihe mit Grillabenden statt, bei der verschiedene Gastköch:innen zu Einsatz kommen. Zimmer ab ca. 470 Euro pro Nacht, thezetter.com/bloomsbury.

Six Senses London
Die geschwungenen Treppen und die Glaskuppel des ehemaligen „Whiteley’s“, eines der am längsten bestehenden Kaufhäuser Londons, bilden den eindrucksvollen Eingang zum Six Senses, dem ersten britischen Hotel der thailändischen Hotelkette. Das Art-déco-Gebäude in Bayswater erstreckt sich über einen ganzen Häuserblock und beherbergt neben dem im März eröffneten Hotel mit 109 Zimmern nun auch Geschäfte, Restaurants und 139 Apartments. Die Zimmer verfügen über raumhohe Fenster, Parkettböden und Kopfenden aus Eschenholz. In den Badezimmern gibt es Waschbecken aus Marmor und marokkanische Fliesen. Ganz im Stil von Six Senses hat das Hotel bei seinen Wellnesseinrichtungen keine Kosten gescheut: Das Spa umfasst ein 66 Fuß langes Hallenbad, ein mit Magnesium angereichertes Hydrotherapie-Becken, eine Kryotherapiekammer und eine Longevity-Klinik. Gäste können in der „Alchemy Bar“ des Spas sogar ihre eigenen Lotionen und Mixturen aus Kräutern herstellen – einige davon stammen aus dem nahegelegenen Hyde Park. Der Fokus auf Gesundheit setzt sich im Restaurant fort, wo Gemüse aus britischem Anbau im Mittelpunkt steht und ein Fermentationslabor Sauerkraut, Kefir und Kombucha herstellt. Die Lage des Six Senses an der Queensway Street – wo unabhängige Restaurants und Restaurantketten Seite an Seite mit Baumärkten und Souvenirläden stehen – ist ein unverfälschtes Stück London, obwohl die Boutiquen des eleganteren Notting Hill nur einen kurzen Spaziergang entfernt sind. Zimmer ab ca. 840 Euro pro Nacht, sixsenses.com.


The Newman
Im Februar wurde The Newman mit 81 Zimmern an einer ruhigen Ecke in Fitzrovia, zwei Häuserblocks nördlich der Oxford Street, eröffnet. Die Innenausstattung ist eine Hommage an das Viertel: Die Fliesen im Badezimmer greifen das schwarz-weiße Mauerwerk eines nahegelegenen Gebäudes im frühromanischen Stil auf und die Waschbecken wurden vom üppigen Balkon des Shropshire House inspiriert, ein Meisterwerk des Art-Déco-Moderne-Stils. Neben 15 Suiten gibt es fünf Ein-Zimmer-Apartments sowie eine Penthouse-Suite mit Terrasse und Sauna. In den Fluren hängen Fotos von ehemaligen und heutigen Anwohner:innen – darunter auch Mitglieder der Bloomsbury Group (Bloomsbury grenzt an Fitzrovia). Die Brasserie des Hotels bietet im Sommer Sitzplätze auf dem Bürgersteig und entwickelt sich rasch zu einem Treffpunkt für Kreative aus der Nachbarschaft. Auf der Speisekarte stehen nordische Gerichte wie Gravlax und britische Klassiker wie Chicken Pie und Kalbsleber. Die wunderschön beleuchtete, unterirdische Gambit Bar serviert fantasievolle Cocktails – probieren Sie den „Truth and Despair“, eine Variante des Gin Tonic mit Darjeeling-Sirup – und ein Spa bietet Behandlungen mit Produkten kleiner britischer Marken wie Moss of the Isles, Nuori und Kloris an. Zimmer ab ca. 817 Euro, thenewman.com.

Bertrand’s Townhouse
Der Einrichtungsstil mag bunt zusammengewürfelt sein, doch die erstklassige Lage in Bloomsbury, der herzliche Empfang und die günstigen Preise im Bertrand’s Townhouse machen den Stilmix mehr als wett. Benannt nach dem britischen Philosophen, Sozialreformer und Nobelpreisträger Bertrand Russell, liegt das im Dezember eröffnete Hotel mit 43 Zimmern zwischen den grasbewachsenen, von Platanen gesäumten Russell Square und Bloomsbury Square. Die Zimmer sind mit Smeg-Kühlschränken und Marshall-Lautsprechern ausgestattet. Die Badezimmer haben hochwertige Duschen (die meisten „Philosopher’s Quarters“-Suiten verfügen zudem über freistehende Badewannen) und Pflegeprodukte von Diptyque; und die Snacks – Chips, Nüsse, Schokolade – gehen auf Kosten des Hauses. Die ganztägig geöffnete Bar und das Restaurant, benannt nach Lady Ottoline Morrell, einer Freundin Russells, servieren klassische Cocktails, Club-Sandwiches, Caesar-Salate und andere leichte Gerichte – und im Außenbereich gibt es reichlich Sitzgelegenheiten unter Sonnenschirmen. Zimmer ab etwa 350 Euro pro Nacht, bertrandstownhouse.co.uk.