Lust auf richtigen Urlaub? Lassen Sie Ihr Handy zu Hause.

Lust auf richtigen Urlaub? Lassen Sie Ihr Handy zu Hause.

Ein netzunabhängiges Kabn-Refugium im Westen Schottlands. (Foto: Paul Miller)

Kein Reisebegleiter scheint unverzichtbarer zu sein als ein Smartphone. Schließlich ist es Kamera, Wecker, Kreditkarte, Übersetzer und vieles mehr. Leider kann es aber auch die Quelle eines endlosen Stroms von Arbeits-E-Mails und Slack-Nachrichten sein, ein unerschöpfliches Buffet an leeren Kalorien aus den sozialen Medien und das Tor zu einem psychisch belastenden Strom düsterer Nachrichten. Es spricht einiges dafür, dass Sie nicht eigentlich von Ihrem Alltag Urlaub brauchen – sondern von Ihrem Handy.

Ulko-Tammio, eine handyfreie Insel im Finnischen Meerbusen. (Foto: Courtesy of Visit Kotka-Hamina)

Für alle, die während ihres Urlaubs wirklich einmal abschalten möchten, haben sich immer mehr Hotels, Resorts und sogar ganze Inseln – wie Ulko-Tammio im östlichen Finnischen Meerbusen – zu handyfreien Zonen erklärt. Urlaub ist „eine gute Gelegenheit, um zu versuchen, die Beziehung zur Technologie neu zu definieren, da man aus dem normalen Alltag herauskommt“, sagt Catherine Price, Autorin von „How to Break Up With Your Phone, Revised Edition“ (2025).

Wenn Sie befürchten, Entzugserscheinungen zu bekommen, obwohl Sie sich eigentlich entspannen sollten, empfiehlt Price, vor der Abreise eine „Probetrennung“ zu machen. „Es ist meist viel einfacher, als die Leute befürchten“, sagt sie. „Es ist ja nicht so, als würden Sie für einen Marathon trainieren.“ Auch wenn es vielleicht ein paar Stunden lang zu Unruhe und FOMO kommen kann, so berichtet sie, haben ihr Menschen erzählt, dass die Zeit langsamer zu vergehen scheint. „Sie verspüren eine Ruhe, die sie überrascht. Und sie fühlen sich stärker mit ihrer Umgebung verbunden – was nicht verwunderlich ist, denn das sind sie ja auch.“ Lesen Sie weiter für weitere Ideen, wie Sie eine handyfreie oder zumindest weitgehend analoge Reise gestalten können.

Im Uhrzeigersinn von links oben: Accessoires, die Ihnen helfen, im Urlaub mal vom Handy abzuschalten, darunter ein Kassettenrekorder von We Are Rewind, ein zusammenrollbares Backgammon-Set von Sabah, ein Reisewecker von Braun, die Swatch-Uhr „Notes of Pecan“ und die Kamera Leica D-Lux 8. (Fotos: Courtesy of the brands)

Was Sie einpacken sollten

Mit ein wenig Ausrüstung und einer Prise Selbstdisziplin kann jede Reise zu einer digitalen Auszeit werden. Apps zur Bildschirmzeitverwaltung wie Opal und ScreenZen können dabei helfen, die Versuchung zu verringern, zum Handy zu greifen, aber manchmal ist es am besten, das Gerät einfach ganz zu verbannen. Einige Hotels und Resorts, wie beispielsweise Miraval, ein Wellness-Resort mit Standorten in Arizona, Massachusetts und Texas, bieten ihren Gästen „sleeping bags“ für die Handys an, um die Geräte außer Sichtweite und hoffentlich auch aus dem Kopf zu halten.
Wenn Sie diesen Weg einschlagen, werden Sie wahrscheinlich noch weiteres Zubehör benötigen. Eine kleine Investition in eine Armbanduhr, wie zum Beispiel das fröhlich-grüne Modell „Notes of Pecan“ von Swatch (70 €), sorgt dafür, dass Sie Ihre Tischreservierung nicht verpassen, während ein Reisewecker wie der BC02X von Braun (25 €) sicherstellt, dass Sie das Frühstücksbuffet noch erwischen, bevor die Sonne schon wieder untergegangen ist. (Price ist eine große Verfechterin von Weckern als Mittel, um Handys aus dem Schlafzimmer zu verbannen, was sie als einen Grundpfeiler guter Schlafhygiene betrachtet.)
Sie können die Kamera Ihres Handys auch ganz einfach durch etwas ersetzen, das zwar immer noch Hightech ist, aber über angenehm haptische Drehregler und Tasten verfügt: Die Leica D-Lux 8 (1.650 €) verfügt über ein Zoomobjektiv und die Möglichkeit, 4K-Videos aufzunehmen. Wenn Spotify für Ihre morgendliche Fitnessroutine oder einfach zum Entspannen am Pool unverzichtbar scheint, versuchen Sie es doch mal mit einem tragbaren Kassettenrekorder von We Are Rewind (149 €) im Retro-Stil. Und da ein Digital Detox am besten funktioniert, wenn alle in der Gruppe gemeinsam daran teilnehmen, nehmen Sie ein Brettspiel mit, wie zum Beispiel Sabahs zusammenrollbares Backgammon-Set aus Leder (312 €).

Wo Sie übernachten können

Das Agatha-Christie-Zimmer im Hotel Sylvia in Newport, Oregon. (Foto: Courtesy of the Hotel Sylvia)

Hotel Sylvia, Oregon

Das direkt am Meer gelegene Hotel Sylvia in Newport, Oregon, etwa zweieinhalb Stunden südwestlich von Portland, ist nach Sylvia Beach benannt, der Gründerin der Buchhandlung „Shakespeare and Company“ in Paris. Alle 22 Gästezimmer sind nach Autor*innen oder literarischen Genres benannt und mit thematisch zusammengestellten Bücherschränken, Schreibtischen und Tagebüchern ausgestattet – perfekte Annehmlichkeiten angesichts des regnerischen Wetters in dieser Gegend. Das 29 m² große Agatha-Christie-Zimmer verfügt zudem über einen Gaskamin und einen umlaufenden Balkon mit Meerblick. Zu den öffentlichen Bereichen gehören ein Café und die James-Joyce-Bibliothek, die sich in der obersten Etage des Hotels befindet und mit Spielen, Puzzles und natürlich weiteren Büchern ausgestattet ist. Während die Nutzung von Mobiltelefonen in den öffentlichen Bereichen unerwünscht ist, steht WLAN zur Verfügung, damit Sie Ihren Kindle auf dem neuesten Stand halten können. Ab 128 € pro Nacht; hotelsylvia.com.

Eines der beiden Kabn-Häuschen am Ufer des Loch Fyne an der Westküste Schottlands. (Foto: Courtesy of Kabn)
Beide Hütten werden vollständig durch Solarpanele mit Strom versorgt. (Foto: Asad Iqbal)

Kabn, Schottland

Das 2022 eröffnete Kabn liegt am abgeschiedenen nördlichen Ende des Loch Fyne in Argyll und Bute, Schottland, und bietet zwei skandinavisch inspirierte Hütten, die beide mit Lärchenholz verkleidet sind, das nach der japanischen Technik „Shou Sugi Ban“ geschwärzt wurde. Besucher können wandern, schwimmen und nach Wildtieren Ausschau halten, wie zum Beispiel einheimischen Eichhörnchen und der ansässigen Robbenkolonie des Sees. Obwohl die Hütten netzunabhängig sind und ihren Strom ausschließlich über Solarzellen beziehen, sind Design und Ausstattung unverhohlen modern (das Badezimmer verfügt beispielsweise über eine Regendusche und einen Dyson Supersonic Haartrockner). Gäste haben zwar WLAN und können den WhatsApp-basierten Concierge-Service von Kabn per SMS erreichen, doch laut Charlie Teale, dem Miteigentümer der Anlage, entscheiden sich die meisten dafür, komplett abzuschalten – oft sendet er Willkommensnachrichten, die ungelesen bleiben. „Ich erfahre erst, wenn sie wieder zurück [zu Hause] sind, dass sie ihr Handy während der gesamten Reise ausgeschaltet hatten.“ Ab ca. 580 € für zwei Nächte, kabncompany.com.

Das Domu Retreat liegt am Rande des Abel-Tasman-Nationalparks an der Tasman Bay in Neuseeland. (Foto: Courtesy of Domu Retreat)
Das Domu, dessen Schwerpunkt auf Wellness liegt, wurde vergangenen Oktober mit sechs Gästezimmern, einem Spa sowie täglichen Meditations- und Yogakursen eröffnet. (Foto: Courtesy of Domu Retreat)
Die Gästezimmer im Domu bieten entweder Blick auf die Berge oder auf die Bucht. (Foto: Courtesy of Domu Retreat)

Domu Retreat, Neuseeland

Gäste des Domu Retreat, das am Rande des Abel-Tasman-Nationalparks auf der Südinsel Neuseelands liegt, werden dazu ermutigt, einen gadgetfreien „Slow Stay“ zu genießen. Das Domu wurde im vergangenen Oktober vom in Großbritannien geborenen Koch Toby Stuart und der Yogalehrerin Sabina Bronicka-Stuart eröffnet und verfügt über nur sechs Zimmer, die entweder auf die Berge oder auf das Meer blicken. Um Sterne oder Delfine zu beobachten, stehen Teleskope und Ferngläser zur Verfügung, und jeden Morgen können Sie an Yoga- oder Meditationskursen teilnehmen, gefolgt von einem Bad im Salzwasserpool, einem Besuch in der Holzsauna oder einer Massage im Spa. Abends genießen die Gäste gemeinsame Vier-Gänge-Menüs mit neuseeländischen Bio-Weinen und Wild wie Himalaya-Tahr. Um die Unterhaltung in Gang zu halten, liegen Gesprächskarten auf dem Tisch, und so fotogen die Gerichte auch sein mögen – sie sind zum Essen da, nicht zum Dokumentieren. Schließlich, so Stuart, „ist nicht alles Content“. Ab etwa 864 € pro Nacht für zwei Personen, inklusive Mahlzeiten und Yoga, domuretreat.co.nz.

Die „Delfin I“, das kleinste der drei von Delfin Amazon Cruises betriebenen Schiffe, fährt durch das Pacaya-Samiria-Nationalreservat im Norden Perus. (Foto: Courtesy of Deflin Amazon Cruises)

Delfin Amazon Cruises, Peru

Als erste Kreuzfahrtgesellschaft, die dem Luxushotelverband Relais & Châteaux beigetreten ist, betreibt Delfin Amazon Cruises drei Schiffe (Delfin I, II und III), die durch das Pacaya-Samiria-Nationalreservat im Norden Perus fahren, wo die Anden in dichten Dschungel übergehen. Das kleinste der drei Schiffe, die Delfin I, wurde 2025 renoviert. Es verfügt über vier Suiten mit einer Größe von jeweils 30 bis 33 Quadratmetern, die mit großen Terrassen und raumhohen Fenstern ausgestattet sind, durch die man rosa Delfine oder schwarze Kaimane beobachten kann. (Delfin II und III sind größere Schiffe mit 14 bzw. 22 Suiten.) Die Zutaten für die Mahlzeiten stammen aus den umliegenden Gewässern und Wäldern, mit Gerichten wie Patarashca oder in duftenden Bijao-Blättern gegartem Fisch. Zu den Aktivitäten an Bord, die den Passagieren zur Verfügung stehen, gehören Kajakfahren und, für die Mutigen, Piranha-Angeln. Was nicht dazu gehört, ist das Posten Ihres Fangs auf Instagram, da nur die Delfin I WLAN bietet – und das auch nur vom Oberdeck aus –, und der Mobilfunkempfang auf allen Schiffen bestenfalls sporadisch ist. Eine dreitägige Reise auf der Delfin I kostet ab ca. 5790 € pro Person bei Doppelbelegung, delfinamazoncruises.com.