Nostalgie und Dekadenz: Wie das Softeis neu interpretiert wird

Nostalgie und Dekadenz: Wie das Softeis neu interpretiert wird

Vom klassichen Softeis gibt es jetzt auch Gourmet-Varianten. (Collage: Fotos von Unsplash; Getty Images via Canva)

Der New Yorker Patissier Dominique Ansel versteht etwas von viralen Desserts. Er hat schließlich den Cronut erfunden, den Hybrid aus Croissant und Donut, zudem einen “Chocolate Chip Cookie Shot”, also einen zum Becher geformten Keks, in den Vanillesoße eingeschenkt wird. Und jetzt, da der Sommer noch nicht mal angefangen hat, sieht es schon wieder so aus, dass Ansel einen neuen Food-Trend auslöst. 

Denn sein “Butter Vanilla Soft Serve” – in flüssige Butter getunktes Vanille-Softeis, das Ansels New Yorker Pâtisserie “Papa D´Amour” im vergangenen Jahr erstmals anbot – geht derzeit viral und wird schon von anderen Eis-Anbietern nachgemacht. Wie immer bei beliebten TikTok-Food-Kreationen klingt die Mischung erst mal gewöhnungsbedürftig, der Moment der Zubereitung gibt viel Content her und das Gesamtkonzept ist neu und speziell genug, dass man Lust bekommt, es auszuprobieren. Vor allem aber fügt sich Ansels Kreation in einen größeren Trend, der dem einfachen Softeis in den vergangenen Jahren zu einem Comeback verholfen hat. Vor allem in Westdeutschland hatte die cremige Masse, die aus der Maschine in die Waffel gepresst wird, kein gutes Image. Softeis, das klang nach McDonald´s-Fast-Food und industriell gefertigter Kirmes-Sünde. Das “gute” Eis, so dachte man hier über viele Jahre, war italienisches Gelato. In der ehemaligen DDR dagegen gehörte Softeis lange zum Sommer dazu, Eisdielen operierten eine Maschine namens Ilka Eisfreezer, um Softeis in den Geschmacksrichtungen Schokolade und Vanille herzustellen, die in einer muschelförmigen Waffel serviert wurden. Bis heute weckt dieses DDR-Softeis bei manchen Nostalgie-Gefühle. 

Angefeuert wurde das Comeback in den vergangenen Jahren jedoch von Gourmet-Varianten, die in hippen Restaurants angeboten wurden. So sorgte das “Café Frieda” in Berlin schon kurz nach seiner Eröffnung im Jahr 2021 für Aufsehen mit einem Softeis-Dessert aus bester Rohmilch vom Erdhof Seewalde. Bis heute steht es auf der Karte und wird regelmäßig mit unterschiedlichen Aromen und Zutaten verändert und erneuert. Auch andere Berliner Lokale haben das Softeis für sich entdeckt. Die “Bar Basta” garniert es mit Cornflakes oder interpretiert es mit Bananen-Geschmack und Toffee-Soße. Im vergangenen Sommer begeisterte die Pop-up-Eisdiele namens “Sofia”, die sich auf “Artisanal Softeis” spezialisiert hat. Zur modernen Interpretation gehört auch die Idee des veganen Softeises, das es beispielsweise bei “TwinFin” in München am Haus der Kunst gibt. Das originale DDR-Softeis, das “wie früher” schmecken soll, gehört wiederum zum Kernangebot der Eisdiele “People and Ice” in Hamburg.  

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Nostalgie wird auch bei den Gourmet-Versionen des Klassikers eine Rolle spielen: die ikonische Hauben-Form, die pastelligen Farben, die cremige Konsistenz ist etwas, das viele mit Kindheit in Verbindung bringen. Edle Geschmacksrichtungen wie Olivenöl, Matcha, Kokos oder Haselnuss sorgen dafür, dass man etwas Altbekanntes von einer neuen Seite kennenlernt. Und weil Softeis gerne mit zusätzlichen Toppings serviert wird, dürfte es sich oft etwas dekadenter anfühlen als klassisches italienisches Eis. Doch ob zum Beispiel flüssige Butter hierzulande für manche Kund:innen zu dekadent ist? Das wird sich diesen Sommer vielleicht zeigen.