11 Pflanzen und Blumen, die Sie erkennen sollten

11 Pflanzen und Blumen, die Sie erkennen sollten

Erkennen Sie diese Pflanzen und Blumen? (Illustrationen: Ryuto Miyake)

Wie viele Blumen können Sie aufzählen? Wie viele Blüten richtig benennen? Wenn Sie Ihr botanisches Wissen ein wenig auffrischen möchten, sind die folgenden Pflanzen ein Anfang. Florist Alex Crowder, Landschaftsarchitekt Ahmad Sardar Afkhami und Autor Stephen Orr geben Kontext. Und: Sie erfahren, welche Bedeutung die Pflanzen für Kunst und Kultur haben.

1. Deutsche Schwertlilie

Iris × germanica

Diese in Südeuropa und im Mittelmeerraum heimische Blume ist „größer als die typische Schwertlilie“ – es gibt sie in mehr Farben und sie hat „einen flaumigen Bart, auf dem die Biene landet“, sagt Stephen Orr, 60, ehemaliger Chefredakteur des Magazins „Better Homes & Gardens“ und Autor mehrerer Bücher zum Thema Gartenarbeit. Als eine der ältesten kultivierten Zierpflanzen sind Deutsche Schwertlilien „trockenheitsresistent und kommen lange Zeit völlig ohne Pflege aus“ – fügt Alex Crowder, 38, Gründer und Kreativdirektor des New Yorker Designstudios Field Studies Flora, hinzu. Deshalb begegnet man ihnen sowohl in Gemälden an den Wänden des Metropolitan Museum of Art als auch auf verlassenen Grundstücken in Vororten.

Bekannte Darstellungen in der Kultur: Vincent van Gogh begann 1889 während seines Aufenthalts in der Anstalt Saint-Paul-de-Mausole in Frankreich mit der Arbeit an seiner Schwertlilien-Serie.

2. Schwarze Tollkirsche

Atropa bella-donna

Belladonna – das italienische Wort bedeutet „schöne Frau“ – ist eine blühende Pflanze mit hochgiftigen, glänzenden, auberginefarbenen, herabhängenden Beeren. Dennoch wurden Teile dieser mehrjährigen Pflanze, die in Mittel- und Südeuropa, Nordafrika und Westasien verbreitet ist, einst für kosmetische und medizinische Zwecke verwendet. Frauen der Renaissance träufelten den Saft in ihre Augen, „um ihre Pupillen zu erweitern, was als Zeichen von Schönheit galt“, sagt Ahmad Sardar Afkhami, 57, Gründer des in New York ansässigen Landschaftsarchitekturbüros Sardar Design Studio.

Bekannte Darstellungen in der Kultur: Viele Wissenschaftler:innen glauben, dass der Schlaftrunk, den Julia in William Shakespeares „Romeo und Julia“ (um 1594–96) einnimmt, aus  der Tollkirsche gewonnen wurde. Seit Jahrhunderten wird die Pflanze zudem mit Hexen in Verbindung gebracht (sie hatte sogar einen Gastauftritt im Film „Practical Magic“ von 1998).

3. Kamelien

Camellia japonica ‘Alba Plena’

Die Kamelie ist vor allem für ihre Verbindung zu Chanel bekannt. Doch lange bevor sie in den Entwürfen des französischen Modehauses auftauchte, stammte sie ursprünglich aus Ost- und Südasien. In Japan, wo sie als Tsubaki bekannt ist, hatte die Blume laut Orr eine komplexe Symbolik für die Samurai. Da die Blüten als Ganzes vom Stiel fielen – was an eine Enthauptung erinnerte –, konnte die Kamelie sowohl ein schlechtes Omen als auch einen edlen Tod symbolisieren. Ende des 17. Jahrhunderts gelangten Kamelien durch den Teehandel nach Europa; Züchter:innen waren fasziniert von ihrem geometrischen Blütenmuster und den wachsartigen Blättern.

Bekannte Darstellungen in der Kultur: In Alexandre Dumas’ Roman „Die Kameliendame“ aus dem Jahr 1848 trägt die Kurtisane Marguerite Gautier weiße Kamelien, um ihre sexuelle Verfügbarkeit zu signalisieren. „Hundert Kamelien“, ein Paar Rollbilder aus dem 17. Jahrhundert, das dem bedeutenden japanischen Maler Kano Sanraku zugeschrieben wird, zeigt mehr als 100 Sorten dieser Blume.

4. Cattleya Orchidee

Cattleya labiata

„Orchideen gehören zu den am weitesten entwickelten Blütenpflanzen“, sagt Afkhami. Im 19. Jahrhundert bezahlten wohlhabende Sammler:innen Orchideenjäger dafür, Cattleya-Orchideen aufzuspüren, eine besonders auffällige, gekräuselte Gattung, die in Mittel- und Südamerika beheimatet ist. Mitte des 20. Jahrhunderts waren Cattleya-Orchideen – erkennbar an ihren „riemenartigen Blättern, der gekräuselten, einladenden Mitte sowie den intensiven, samtigen Farben und Texturen“, so Afkhami – die beliebteste Blume für Anstecksträuße.

Bekannte Darstellungen in der Kultur: Wie Afkhami anmerkt, wird die Orchidee in Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ (1913–27) als „Symbol für die Liebesbeziehung zwischen Odette und Charles Swann“ erwähnt.

5. Chrysanthemen

Chrysanthemum × morifolium

In der chinesischen Kultur steht jede Jahreszeit für eine Blume; Chrysanthemen werden mit dem Herbst in Verbindung gebracht. Aufgrund ihrer langen Blütezeit symbolisieren sie Langlebigkeit und Widerstandsfähigkeit. Obwohl sie in ihrem Aussehen sehr unterschiedlich sind – von schlichten, gänseblümchenähnlichen Sorten bis hin zu üppigen Pompons –, haben die meisten einen krautigen, erdigen Duft. In den Vereinigten Staaten werden sie oft wegen ihrer Allgegenwärtigkeit in Supermärkten und an Straßenständen unterschätzt. Orr räumt ein, dass „Vertrautheit Verachtung gebiert“, sagt aber: „Ich bin ein Chrysanthemen-Evangelist.“

Bekannte Darstellungen in der Kultur: Neben dem Pflaumenbaum, der Orchidee und dem Bambus gehört die Chrysantheme zu den vier wichtigsten Pflanzen (bekannt als die „Vier Edlen“) in der chinesischen Pinselmalerei; sie ist seit der Song-Dynastie (960–1279) ein fester Bestandteil der ostasiatischen Tuschemalerei.

6. Dahlien

Dahlia pinnata

Als Symbol für die sich schnell wandelnden Trends in der Welt der Blumen „galten Dahlien vor 15 bis 20 Jahren noch als geschmacklos oder gewöhnlich“, sagt Orr. „Heute haben sie Kultstatus erreicht.“ Die üppigen Blüten reichen in ihrer Größe von einem Tischtennisball bis zu einem Teller, und viele haben dunkles Blattwerk und eine runde Form. Die aus Mexiko und Mittelamerika stammenden Blumen verdanken einen Teil ihrer neu gewonnenen Popularität, so Orr, den Florist:innen, die in den Anfängen von Instagram häufig die milchige „Cafe au Lait“-Dahlie verwendeten.

Bekannte Darstellungen in der Kultur: Ihre bekannteste Anspielung in der Popkultur – die „Black Dahlia“, wie die Presse das Opfer eines grausamen Mordes in Los Angeles im Jahr 1947 nannte – hat nichts mit der Blume selbst zu tun. Henri Matisse malte 1923 das Bild „Stillleben, Strauß Dahlien und weißes Buch“.

7. Beifuß

Artemisia vulgaris

Beifuß stammt ursprünglich aus Europa, Asien und Nordafrika und galt laut Crowder im Mittelalter als „Mutter der Kräuter“. Heute wird er wegen seines erdigen, bitteren Geschmacks in der japanischen und koreanischen Küche verwendet; in den Vereinigten Staaten, wo er keine natürlichen Feinde hat, „verdrängt er einheimische Pflanzen“. Beifuß ist an seinen etwa fünf pfeilspitzenförmigen Blättern pro Zweig zu erkennen und ist dafür bekannt, Ängste zu lindern und einen erholsamen Schlaf zu fördern. Jetzt „wächst er überall in New York – der Stadt, die niemals schläft“, sagt sie. „Vielleicht versucht uns die Pflanzenwelt etwas beizubringen.“

Bekannte Darstellungen in der Kultur: Beifuß wird häufiger verwendet, als man denkt. Während des chinesischen Drachenbootfestes, das jeden Sommer stattfindet, werden Bündel davon über den Türen aufgehängt, um Krankheiten und böse Geister abzuwehren.

8. Zentifolie

Rosa × centifolia

„Für Gärtner:innen sind Rosen mal im Trend, mal nicht“, sagt Orr. Die sogenannten Gartenrosen wurden vor 1867 gezüchtet, als die erste Teehybride eingeführt wurde, und blühen hauptsächlich im Mai und Juni. Die bekanntesten Sorten – Bourbon, Gallica und Damask – wurden in Europa und im Nahen Osten entwickelt und erfreuten sich in den 1980er Jahren besonderer Beliebtheit. Sie zeichnen sich durch ihren intensiven, würzigen Duft, ihre kohlähnliche Form und ihre Blütenblätter aus, die „sich kreuzförmig anordnen“, sagt Orr. Im Gegensatz dazu opfern moderne Teehybriden einen Teil ihres Dufts und ihrer Blütenfülle, um mehrmals im Jahr zu blühen.

Bekannte Darstellungen in der Kultur: Die Gartenrose ist ein fester Bestandteil der prächtigen Blumensträuße, die von niederländischen Künstlern des 17. Jahrhunderts, darunter Jan Davidsz de Heem und Rachel Ruysch, gemalt wurden. Sie taucht auch in den Händen von Hofleuten auf persischen und osmanischen Miniaturporträts auf.

9. Mohnblumen

Papaver somniferum

Die becherförmigen Blüten mit zarten Blütenblättern und flaumigen gelben Blütenkernen stehen heute für den Tod (aufgrund ihrer manchmal blutroten Farbe), den Schlaf (da sie die Quelle des Opiums sind) und das Gedenken. Die Mohn-Gattung Papaver stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und verbreitete sich rasch im restlichen Europa und bis nach Asien. „Mohnblumen bewegen sich in einem Grenzbereich der Verführung“, sagt Orr. „Wie viele heilende Substanzen ist der Schleier, den sie zwischen Therapie und Sterblichkeit bilden, hauchdünn. Seit Jahrtausenden säumen Mohnblumen den Weg zwischen Leben und Tod.“

Bekannte Darstellungen in der Kultur: Dorothy, Toto und der Löwe schlafen in „Der Zauberer von Oz“ (1939) in einem Mohnfeld ein. Die Blume dient auch als Symbol zum Gedenken an gefallene Soldaten in „In Flanders Fields“, einem Gedicht des kanadischen Chirurgen John McCrae aus dem Jahr 1915.

10. Wilde Möhre

Daucus carota

Die Wilde Möhre ist an ihrem hohen, behaarten grünen Stiel und ihrer großen Blüte zu erkennen, die einer weißer Rüschenhaube ähnelt. Sie wächst in Büscheln und ist ein häufiger Bestandteil von Wildblumenmischungen. Als Verwandte der domestizierten Karotte gelangte sie zusammen mit den europäischen Siedler:innen in die Vereinigten Staaten. In der Antike glaubte man, die Samen dienten als Verhütungsmittel, doch die Behauptung, sie sei als Abtreibungsmittel „in das Haar der Frauen geflochten und nach Amerika gebracht“ worden, sei möglicherweise frei erfunden, sagt Crowder.

Bekannte Darstellungen in der Kultur: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zog die Allgegenwärtigkeit dieser Pflanze Künstler:innen in ihren Bann. Sie diente 1904 als Inspiration für Accessoires von Tiffany & Co. und war 1921 Gegenstand eines Gedichts von William Carlos Williams.

11. Indische Lotusblüte

Nelumbo nucifera

Die Indische Lotusblüte, die in ganz Asien und Teilen Ozeaniens heimisch ist, symbolisiert im Buddhismus Reinheit und Erleuchtung, erklärt Christian Luczanits (61), Professor an der SOAS, University of London, der sich auf buddhistische Kunst spezialisiert hat. Oft mit der Seerose verwechselt, zeichnet sie sich durch große, runde Blätter aus, die sich mit zunehmender Reife über die Wasseroberfläche erheben, sowie durch eine zartrosa Blüte, die auf einem hohen Stiel thront.

Bekannte Darstellungen in der Kultur: Ab dem dritten Jahrhundert wurde der Buddha häufig auf einem Lotusthron sitzend dargestellt, als Symbol für seine Erhabenheit über die trüben Gewässer des irdischen Daseins. Ein besonders schönes Beispiel hierfür ist der Amida-Buddha im Byodo-in-Tempel in Kyoto, Japan, aus dem Jahr 1053.


Diese Interviews wurden redaktionell bearbeitet und gekürzt.