Räume der Heilung: Das Soft Power Festival feiert Premiere

Räume der Heilung: Das Soft Power Festival feiert Premiere

Galeristin Anahita Sadighi organisiert das Soft Power Festival. (Foto: Clemens Poloczek)

An einem Mittwochnachmittag in Berlin-Charlottenburg sitzt Anahita Sadghi in einem Café kaum fünf Minuten Fußweg von ihrer Galerie in der Schlüterstraße entfernt. „Dass wir das überhaupt realisieren können“, sagt sie, „ist angesichts der aktuellen Kürzungen in der Berliner Kulturlandschaft keine Selbstverständlichkeit.“ Sadighi spricht vom Soft Power Festival, das die Berliner Galeristin und Kunstschaffende während der Art Week in diesem Jahr erstmals zu einem vollständigen Festival ausbaut und das 2025 zunächst als Special Project der Berlin Art Week gestartet war.

Im vergangenen Jahr gewann die 37-Jährige beim Ideenwettbewerb für Galerien „Spotlight: Berliner Kunstmarkt“, ausgeschrieben vom Berliner Senat für Wirtschaft, Energie und Betriebe, einen Preis für ihr Konzept. Die Idee: ein multidisziplinäres, mehrtägiges Event während der Berlin Art Week, bei dem Kunst, Musik, Mode, Food und vor allem Haltung und Ideen zusammenkommen und von unterschiedlichen Akteur:innen und Kunstschaffenden bespielt werden.

Die gemeinsam mit María Inés Plaza Lazo kuratierte Ausstellung bildet den Kern des Festivals. (Foto: Roman März)

Während der Senat unter der gegenwärtigen Regierung den Kulturfonds der Stadt um 25 Prozent kürzte – auch die Art Week ist betroffen –, bekam Sadighi die Chance, eine lang gehegte Vision zu realisieren. Die in Teheran geborene Berlinerin betreibt ihre gleichnamige Galerie schon seit zehn Jahren, zwischenzeitlich betrieb sie vier verschiedene Kunsträume. Schon vor drei Jahren rief sie mit „The Loft presents“ eine Event-Reihe ins Leben, die Kunst mit Musik und Community verband. „Die Szene Berlins ist sowohl in der Kunst als auch in der Musik stark verankert – das ist eine der Stärken und Besonderheiten dieser Stadt“, sagt sie. „Es gibt aber noch wenige Plattformen und Institutionen, die eine echte Verbindung zwischen diesen beiden Welten schaffen.“

In ihren Galerien schaffte Sadighi stets die Verbindung zwischen antiker und zeitgenössischer Kunst, legte den Fokus auf Arbeiten aus verschiedenen Regionen und Kulturen. Gemeinsam mit der Kuratorin María Inés Plaza Lazo schafft sie nun Räume für unterschiedlichste kreative Ausdrucksformen. Das Soft Power Festival wird im Haus der Visionäre stattfinden und folgt einem Programm aus Ausstellungen, Panels, Musik-Performances und Workshops – über drei Tage und Nächte, mit einem 48-Stunden-Dancefloor. Über 150 Künstler:innen und Kreative tragen Arbeiten bei, viele von ihnen kommen aus dem Ausland.

Das Team des Soft Power Festivals – von links: Judith Haase, María Inés Plaza Lazo, Anahita Sadighi und Pierre Jorge Gonzalez. (Foto: Yanae Reichert)

Sadighi stellt mit diesem Projekt eine weitere persönliche Leidenschaft in den Mittelpunkt: die Musik. Neben islamischer Kunst und Architektur sowie Kulturwissenschaften hat sie an der Hanns Eisler Musikhochschule Klavier studiert und wurde in Komposition und Kammermusik unterrichtet. Heute legt sie auch selbst als DJ auf. „Musik hat immer eine große Rolle in meinem Leben gespielt“, sagt sie. Gemeinsam mit der Kunst seien da „zwei Herzen“, die in der Brust Berlins schlagen würden. Beide zu stärken und zusammenzubringen, sieht sie als Weg, um die Kulturlandschaft der Stadt weiter zu öffnen. Bei aller Neugierde und Vielfalt, die man mit Berlin und mit der Kunst im Allgemeinen verbindet, glaubt sie, dass es noch Raum für Weiterentwicklung gibt. „Die Kunstszene im Allgemeinen ist ja durchaus eher traditionsbehaftet. Hier geht es darum, einen neuen spielerischen, kreativen, experimentellen und progressiven Rahmen zu schaffen – und das explizit aus einer weiblichen Perspektive heraus.“

Auch Live Perfomances, Konzerte und DJ-Sets sind geplant. (Foto: Courtesy of Soft Power Festival)
Beim gemeinsamen Dinner wird auch Essen und Hospitality zur Kunst – hier zum Beispiel von Kreativdirektorin und Künstlerin Akshita Garud. (Foto: Akshita Garud)

Sadighi kommt immer wieder auf die schöpferische und weibliche Kraft hinter dem Projekt zu sprechen – auch aus einem ganz bestimmten Grund: Während der Arbeit an dem Projekt erfuhr sie, dass sie schwanger ist. Ein riesiges Kulturprojekt auf der einen, ein neues Leben und Lebenskapitel auf der anderen Seite – Sadighi ist sich der Besonderheit dieser Parallele, dieser zwei Babys, die in ihr Leben kommen, bewusst. „Es ist Wahnsinn, was Frauen schaffen.“

„Profile“ der südafrikanischen Künstlerin Berni Searle. (Foto: Courtesy of Soft Power Festival)

In Zeiten der gesellschaftlichen Spaltung und Verhärtung sowie der mangelnden Unterstützung und Wertschätzung für Kultur und die Menschen dahinter beobachtet sie, wie Einzelne – und vor allem einzelne Frauen – der Entwicklung mit eigenen Ideen und Mitteln etwas entgegensetzen. An diese Kraft, die man erzeugen kann – mit Kunst, mit Musik, mit Menschen, respektvollem und wertschätzendem Diskurs und sicheren Räumen –, soll das Soft Power Festival erinnern. Daher der Name. „Es geht um eine liebevolle Art des Zusammenkommens, des kreativen schöpferischen Aktes. Wir wollen die Liebe ins Zentrum stellen und einen heilsamen Raum schaffen, der nachwirkt, auch wenn man ihn schon lange verlassen hat.“ Ein Raum, der seine Türen nach den drei Tagen nicht endgültig schließen soll. In zwei Jahren, so hofft Sadighi, könnte die zweite Edition stattfinden.

Das Soft Power Festival läuft vom 11. September ab 11 Uhr durchgängig bis zum 13. September um 23 Uhr im Haus der Visionäre.