Serena Williams im Gespräch über die Souveränität des Augenblicks

Serena Williams im Gespräch über die Souveränität des Augenblicks

Tennisstar Serena Williams im Interview über ihre wichtigste Ressource: Zeit. (Foto: Courtesy of Audemars Piguet)

Wer an Serena Williams denkt, hat sofort die Bilder einer Ausnahmekarriere vor Augen: 23 Grand-Slam-Einzeltitel, präzise und kraftvolle Aufschläge und eine schier unumstößliche Siegermentalität. Doch der Tennisplatz war für die US-Amerikanerin immer nur eine von vielen Bühnen – längst hat sie sich ein vielschichtiges Imperium aufgebaut und nutzt ihren Einfluss, um verkrustete Strukturen aufzubrechen. Mit ihrer Investmentfirma „Serena Ventures“ unterstützt sie gezielt Start-ups, die von Frauen und ethnischen Minderheiten geführt werden. Bereiche, die in der Wagniskapitalbranche nach wie vor stark unterrepräsentiert sind. Als Philanthropin, unter anderem als UNICEF-Sonderbotschafterin, setzt sie sich weltweit für Bildungsgerechtigkeit und den Bau von Schulen ein, während sie zeitgleich als Designerin eigene Fashion- und Beauty-Linien etabliert.

Den wichtigsten Gegenpol zu diesem enormen Arbeitspensum bildet heute ihr Privatleben. Als Mutter ihrer zwei Töchter – Alexis Olympia und der jüngeren Adira River – teilt Williams auf ihren Kanälen regelmäßig Einblicke in einen Alltag zwischen Terminkalendern, Unternehmensstrategien und Kindererziehung.

Aufgeben oder sich auf vergangenen Erfolgen ausruhen gehört schlicht nicht zu ihrer DNA. Das beweist auch ihre jüngste sportliche Wiederannäherung an den Tenniszirkus: Mag die Rückkehr auf die große Bühne aktuell auch nicht ohne Rückschläge verlaufen, zeigt Williams genau damit eine ihrer größten Stärken – den unstillbaren Hunger nach neuen Herausforderungen und den Mut, sich auch auf ungewissem Terrain auszuprobieren.

Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums ihrer Rolle als Botschafterin für Audemars Piguet präsentiert Serena Williams eine gemeinsam entworfene Sonderedition: Der neue Royal Oak Selfwinding Chronograph 38 mm kombiniert widerstandsfähige weiße Keramik mit einem Zifferblatt aus schimmerndem rosa Perlmutt – ein Design, das ihre eigene Balance aus Kraft und Eleganz widerspiegelt. Im Interview gibt die Athletin Einblicke in ihren veränderten Fokus, verrät ihren Zugang für echte Präsenz im Hier und Jetzt und erklärt, warum der beste Zeitplan der eigene ist.

Wenn Sie auf Ihre Anfänge in Compton zurückblicken und diese mit Ihrem heutigen Leben vergleichen: Wie hat sich Ihre persönliche Definition von Zeit und der beste Umgang damit im Laufe der Jahre entwickelt?

Als ich in Compton groß wurde, empfand ich Zeit wirklich als Chance. Jede Stunde auf dem Platz zählte. Ich glaubte damals nicht, dass sich dadurch unbedingt meine Zukunft ändern würde, aber ich konnte das tun, wofür ich mich wirklich begeisterte. Ich habe nicht nur daran gedacht, großartig zu werden – ich habe an nichts anderes gedacht, als zu gewinnen.

Heute sehe ich das ein wenig anders. Zeit ist immer noch meine wertvollste Ressource. Ich sage den Menschen immer: Danke, dass ihr Zeit mit mir verbringt, denn meine Zeit ist jetzt, da ich Kinder habe, so begrenzt. Aber jetzt geht es weniger darum, mehr in meinen Tag zu packen, sondern vielmehr darum, bewusst zu handeln. Für mich ist die Zeit mit meinen Töchtern wichtig, die Zeit für mein Unternehmen ebenso, und die Zeit, etwas Sinnvolles zu schaffen, wie ich es bei dieser Zusammenarbeit mit Audemars Piguet getan habe. Ich habe also gelernt, dass es beim Erfolg nicht darum geht, jede einzelne Minute auszufüllen, sondern darum, auszuwählen und zu entscheiden, was in meinem Umfeld und in meinem Leben meine Zeit verdient.

Auf dem Tennisplatz wird die Zeit in Bruchteilen einer Sekunde gemessen; im Leben abseits des Platzes geht es um das große Ganze. Inwiefern unterscheidet sich das Gefühl, ein Match zu kontrollieren, von dem Gefühl, das eigene Leben aktiv zu gestalten?

Es lehrt einen, Entscheidungen sofort zu treffen. Man hat nicht den Luxus, zu viel nachzudenken. Man muss seiner Vorbereitung vertrauen, man muss sich festlegen, man muss vorwärtsgehen. Das Leben ist buchstäblich das Gegenteil davon. Die größten Entscheidungen, die ich getroffen habe – wie Mutter zu werden, zu investieren, Produkte zu entwerfen oder sogar zum Tennis zurückzukehren – fielen nicht in einem einzigen Moment, sondern haben definitiv viel mehr Zeit in Anspruch genommen.

Wer den Augenblick beherrschen will, muss vollkommen im Hier und Jetzt sein. Wie trainieren Sie diese Präsenz auf dem Platz und wie übertragen Sie sie in das Leben abseits des Sports?

Auf dem Platz lehrt dich Tennis ziemlich schnell, dass du den letzten Ball nicht noch einmal spielen kannst. Und du kannst den nächsten Ball auch nicht zu früh spielen – du musst einfach den Moment leben und den Ball spielen, der gerade vor dir liegt. Außerhalb des Platzes ist es mir daher besonders wichtig, in der Gegenwart zu leben. Wenn ich mit meinen Töchtern zusammen bin, möchte ich auch wirklich bei ihnen sein und nicht im Kopf E-Mails beantworten. Und wenn ich etwas entwerfe oder in einem Investmentmeeting sitze, möchte ich dem ebenfalls meine volle Aufmerksamkeit widmen. Präsenz ist eine Fähigkeit, und wie alles andere erfordert sie Übung.

Welcher Moment in Ihrer Karriere oder Ihrem Privatleben war so intensiv, dass Sie das Gefühl hatten, die Zeit selbst stünde still?

Vielleicht als ich Mutter wurde, aber eigentlich stand dabei die Zeit nicht still – das war irgendwie verrückt –, also definitiv nicht das. Es war auf jeden Fall ein großer Moment in meinem Leben. Ich glaube, als ich nach vier Jahren wieder auf dem Centre Court in Wimbledon stand, hat sich alles verlangsamt, weil ich es tatsächlich genießen konnte, und ich war dankbar – das hat Spaß gemacht. Und das sind genau die Momente, in denen man erkennt, dass Zeit nicht mit einer Uhr gemessen wird, sondern daran, wie intensiv man sie erlebt.

Heute sind Sie Mutter, Unternehmerin, Designerin und Philanthropin. Wie schaffen Sie es, all diese Facetten Ihres Lebens unter einen Hut zu bringen?

Momentan setze ich klare Grenzen. Ich glaube nicht, dass Balance bedeutet, allem jeden Tag gleich viel Zeit zu widmen. An manchen Tagen brauchen meine Töchter mehr, wenn sie in der Schule sind, brauchen sie weniger. Manchmal brauchen meine Unternehmen mehr, und an manchen Tagen braucht das Tennis mehr … Deshalb ist es wichtig, dass alles, wozu ich „Ja“ sage, mit meinen Werten übereinstimmt. Seit ich angefangen habe, Entscheidungen auf diese Weise zu treffen, ist die Balance viel einfacher, weil ich Grenzen habe und nicht versuche, alles gleichzeitig zu tun oder zu sein.

Eine zehnjährige Partnerschaft mit Audemars Piguet ist in der heutigen schnelllebigen Welt eine Seltenheit. Was macht diese Beziehung für Sie so einzigartig, und wie spiegelt sich dieses gemeinsame Jahrzehnt in der neuen Royal Oak wider?

Ich habe das Gefühl, dass die besten Partnerschaften erst mit der Zeit wirklich wachsen. Das hat sich nie wie eine reine Geschäftsbeziehung angefühlt – das Team von Audemars Piguet hat meine Ideen stets respektiert und mich immer dazu ermutigt, meinen Beitrag zu leisten und kreativ zu sein, und dieses Vertrauen spiegelt sich meiner Meinung nach in dieser Uhr wider. Sie ist elegant, aber kraftvoll; modern, aber zeitlos; raffiniert, ohne dabei ihre Persönlichkeit zu verlieren. Und sie hat immer noch ein bisschen – eigentlich sogar sehr viel – von mir in sich. Das sind Eigenschaften, die ich schon immer bewundert habe, nicht nur in großartigem Design, sondern auch bei Menschen.

Wie viel von Ihrer eigenen Persönlichkeit steckt in dem Design, und welche Details bedeuten Ihnen am meisten?

Die weiße Keramik steht für mich für Stärke und Widerstandsfähigkeit. Das rosa Perlmutt hingegen vermittelt Wärme, Sanftheit und Weiblichkeit. Ich habe nie daran geglaubt, dass sich Frauen zwischen Stärke und Anmut entscheiden müssen – wir können beides haben. Und deshalb mag ich diese Uhr: ich glaube, dass die Farbe sowohl Männer als auch Frauen anspricht. Außerdem ist Rosa meine Lieblingsfarbe. Rosa ist gerade das neue Schwarz – so empfinde ich es jedenfalls.

Ganz im Sinne von „Owning the Moment“ – welchen Rat würden Sie der nächsten Generation von Frauen – und vielleicht auch Ihren eigenen Töchtern – geben, wenn es darum geht, die Kontrolle über ihre eigene Zeit zu übernehmen und Grenzen zu verschieben?

Ich würde sagen: Lasst nicht zu, dass andere Menschen den Zeitplan eures Lebens bestimmen. Es wird immer jemanden geben, der euch sagt, ihr seid zu jung, zu alt, zu ehrgeizig oder zu anders. Ich denke, das Wichtigste ist, dass ihr das tut, was ihr tun wollt – in eurer Zeit und nach eurem eigenen Zeitplan. Nutzt eure Zeit bewusst und entschuldigt euch niemals dafür, dass ihr euch ein Leben aufbaut, das wirklich zu euch passt.