Sie teilen ihr Leben, ihren Job – und eine Leidenschaft für Uhren

Sie teilen ihr Leben, ihren Job – und eine Leidenschaft für Uhren

Yoon Ahn und Verbal, das Paar und Duo hinter dem Label Ambush (Foto: Courtesy of Audemars Piguet)

In der Schmuckbranche gelten Yoon Ahn und Verbal als Paradebeispiel eines erfolgreichen Power Couples: Schon im Jahr 2008 gründeten die beiden gemeinsam ihre Unisex-Linie Ambush, seit 2016 entwerfen sie auch Mode. Kennengelernt hatte sich das Paar während des Studiums in den USA – Verbal stammt aus Tokio, Yoon Ahn aus Seoul, heute leben beide in der japanischen Hauptstadt. Gemeinsam haben sie eine Karriere mit vielen Facetten aufgebaut, zwischen Rap-Musik (Verbal) und Grafikdesign (Yoon Anh), und unzähligen Kooperationen mit Lifestyle-, Mode- und Luxusmarken. Ein roter Faden, der sich durch viele Projekte zieht und nicht zuletzt das eigene Label prägt, ist die Liebe zu Schmuck, die inzwischen auch Uhren umfasst. Beide sammeln speziell Uhren von Audemars Piguet. Und damit war es nur eine Frage der Zeit, bis das Schweizer Haus, das selbst gerne mit unterschiedlichen Kreativen neue Varianten seiner Klassiker entwickelt, sie als die nächsten Kooperationspartner:innen anfragen würde.

Fokus der Zusammenarbeit: Eine Interpretation der „Royal Oak Concept Tourbillon“, die erstmals im Jahr 2002 zum 30-jährigen Jubiläum der „Royal Oak“ erschien und mit ihrer massiven Silhouette, den ungewöhnlichen Materialien wie Alacrit 602 und Titan sowie dem offenen Zifferblatt für Aufsehen sorgte. Mit einem Durchmesser von 38,5 Millimetern richtet sich der Entwurf von Yoon Anh und Verbal an Männer wie Frauen und spiegelt den minimalistischen Ansatz wider, den sie mit ihren Designs verfolgen. Für zwei Kreative, die in der Schmuck-, Lifestyle- und Modebranche zu Hause sind (Yoon Anh entwarf lange Schmuck für Dior Homme), repräsentiert die Kooperation einen Schritt in eine neue Welt, in der Funktion und technische Meisterleistungen das Design maßgeblich beeinflussen. Hier erzählen die beiden von der symbolischen Bedeutung eines Juwels, dem Beginn ihrer Uhren-Sammelleidenschaft und der Suche nach dem nächsten seltenen Schatz.

Woher kommt eure Liebe zu Schmuck?

Y: Am meisten hat mich geprägt, wie Schmuck ein Ausdruck von Identität sein kann – wie etwas so Kleines am Körper die Energie einer Person komplett verändern kann. Schon als Kind fühlte ich mich immer von Objekten angezogen, die sich symbolisch anfühlten: Ketten, Ringe, Uhren, kleine persönliche Stücke, die Menschen jeden Tag trugen. Sie dienten nicht bloß der Dekoration. Sie bewahrten Erinnerungen, verkörperten eine Haltung, boten Schutz und waren manchmal sogar ein Zeichen von Rebellion. Dieser Gedanke begleitete mich weiter und wurde für meine eigene Arbeit sehr wichtig. Schmuck und Uhren sind intim, weil sie so nah am Körper leben. Sie sammeln gemeinsam mit dir Zeit. Sie werden Teil deiner Gesten, deiner Routine, deines Charakters.

Die limitierte Auflage mit rotem Flying-Tourbillon und schwarz schimmernden Aventurin-Zifferblatt. (Foto: Courtesy of Audemars Piguet)
Dank des austauschbaren Armband-Systems lässt sich bei dem Modell zwischen schwarzen und roten Kautschukarmbändern wechseln. (Foto: Courtesy of Audemars Piguet)

An welche Stücke, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, erinnert ihr euch besonders?

Y: Die Stücke, die bei mir den stärksten Eindruck hinterlassen haben, waren solche, die sich anfühlten, als gehörten sie zum Leben von jemandem – nicht einfach nur schöne Objekte, sondern Objekte mit Präsenz, Geschichte und Emotion.

V: Für mich war es ein Ring, den Yoon und ich zusammen entworfen haben. Er hat letztlich meinen Lebensweg bestimmt. Es war der originale „POW!“-Ring, der sich über vier Finger ausbreitet und gefertigt ist aus 18-karätigem Gold mit weißen, schwarzen und gelben Diamanten, eingefasst von Rubinen entlang der Kanten. Damals dachten wir überhaupt nicht daran, eine Marke aufzubauen. Wir wollten einfach etwas erschaffen, das unsere Welt und unsere Energie zum Ausdruck bringt. Was uns überraschte, war, wie sehr die Menschen darauf ansprangen. Dieses Stück wurde zum Ausgangspunkt unserer Reise in die Schmuckwelt und legte den Grundstein für das, was schließlich AMBUSH werden sollte. Rückblickend war es nicht nur ein Ring. Es war der Beweis dafür, dass unbeschriebene Objekte eine Idee, eine Community und eine klare Haltung transportieren können. In vielerlei Hinsicht lässt sich alles, was wir seitdem aufgebaut haben, auf dieses eine Stück zurückführen.

Wie kamt ihr dann zu Uhren?

Y: Meine erste Uhr war eine „Royal Oak“ von Audemars Piguet aus Stahl mit blauem Zifferblatt. Ich hatte ein erstes ordentliches Gehalt bekommen, und wie das so ist, man gönnt sich eine schöne Uhr. Ich mag Männeruhren und klare Linien und geometrische Formen, deswegen hat dieses Modell mich am meisten angesprochen.

V: Bei mir begann die Leidenschaft mit dem „T3“-Modell von AP. Ich habe es in einem Uhrengeschäft in Tokio entdeckt, und es hat einfach nach mir gerufen. Es hatte einen Durchmesser von 53 Millimetern. Ich glaube, das ist das größte Gehäuse, das AP je gebaut hat. Von da an bin ich tiefer in die Welt von AP eingetaucht, habe mich mit den verschiedenen Komplikationen beschäftigt und mich für unterschiedliche Modelle begeistert. Ich würde sagen, die Modelle, die Yoon und ich besitzen, haben uns gefunden. Manchmal über Beziehungen, manchmal tauchten absolute „Grail Pieces“, nach denen wir schon immer gesucht hatten, plötzlich auf.

Was ist die wertvollste Uhr in eurem Besitz?

V: Die allererste „Royal Oak Concept One“, die 2002 erschienen ist. Ich habe wirklich ewig nach ihr gesucht, auf der ganzen Welt, habe meine Sammlerfreunde nach Tipps gefragt und im Internet auf Plattformen wie Chrono24 gestöbert. Ich fand sie schließlich vor fünf Jahren bei einem Händler aus den USA, der sie mir nach Tokio zugeschickt hat. Sie ist wirklich ein Meisterwerk. Ich liebe Uhren, hinter denen eine besondere Geschichte steckt. Diese „Concept One“ besteht aus Alacrit, einem Material, das in der Raumfahrt zum Einsatz kommt, das finde ich schon mal spannend. Fun Fact: Heute setzt die Marke es nicht mehr ein, weil es das Uhrmacherwerkzeug zu sehr beansprucht. Es war also die letzte Uhr, bei der es zum Einsatz kam. Die Möglichkeit, auf Basis dieser Uhr ein neues Modell zu entwickeln, war also wirklich etwas Besonderes für mich.

Wie hat sich euer Sammelverhalten verändert, wie wählt ihr Uhren heute aus?

Y: Ich mag meistens Ton-in-Ton-Designs. Viele der Stücke, die ich besitze, sind sehr clean und harmonisch gestaltet. Tragbarkeit ist mir wichtig, ich frage mich also, wie die Uhr zu den Schmuckstücken passt, die ich bereits trage. Wie kann ich sie auch ganz unkompliziert in meine tägliche Garderobe integrieren? Ich mag auch Komplikationen, aber die neigen oft dazu, sehr groß zu sein, und ich habe recht schmale Handgelenke. Daher ist es großartig, dass ich jetzt meine eigene Uhr entwerfen durfte.

V: Anfangs gefielen mir eher die auffälligeren, kühneren Stücke, richtige „Bling“-Modelle, ich mochte es ein bisschen protzig. Aber dann hatte ich diese Chronographen oder Ewigen Kalender vor mir und irgendwann fing ich an, Fragen zu stellen: Was hat es damit auf sich? Und manchmal wurde ich das selbst gefragt, wenn ich die Uhren trug, und dann musste ich zugeben, dass ich keine Ahnung hatte. Also fing ich an, tiefer zu graben. Ich denke, wir haben eine echte Entwicklung durchgemacht: Wir kamen über das Design, haben mehr über die Funktion gelernt und großen Respekt davor entwickelt. Und so geht es nun nicht mehr nur darum, schöne neue Stücke zu finden, sondern Stücke, die echte Meilensteine der Geschichte darstellen. Ich bin zu einem Nerd geworden, und es macht mir echt Spaß.

Wie viele Uhren besitzt ihr inzwischen? Leiht ihr sie euch gegenseitig aus?

V: Zusammen müssten wir etwas weniger als 20 Stück haben. Ich leihe mir gerne mal eine von Yoon, aber sie nicht von mir.

Welche spezifischen technischen Merkmale bewundert oder schätzt ihr an Uhren am meisten und warum?

Y: Ich bewundere technische Merkmale, die sowohl Intelligenz als auch Schönheit offenbaren – wenn Ingenieurskunst emotional wird. Natürlich sind Komplikationen wie ein fliegendes Tourbillon unglaublich, weil sie das höchste Niveau uhrmacherischer Präzision zeigen. Es hat fast etwas Hypnotisches, dieses freiliegende Uhrwerk zu sehen, wie es ständig gegen die Schwerkraft arbeitet – fast wie ein winziges Universum in Bewegung. Aber ich schätze auch die leiseren technischen Details: das Oberflächenfinish, die Proportionen des Gehäuses, das Gewicht am Handgelenk, wie das Licht über das Zifferblatt wandert, wie jede einzelne Komponente in perfekter Harmonie existieren muss. Diese Details mögen subtil wirken, aber genau sie sorgen dafür, dass sich eine Uhr lebendig anfühlt. Das für mich schönste technische Merkmal ist, wenn man die menschliche Hand hinter der Präzision spüren kann.

V: Für mich ist es die Minutenrepetition. Als Musiker hat mich schon immer der Gedanke fasziniert, dass man Zeit tatsächlich hören kann. Eine Minutenrepetition verwandelt Zeit in Klang. Sie macht aus etwas Abstraktem etwas Emotionales. Eine der Uhren, die ich in meiner Sammlung am meisten schätze, ist die „John Shaeffer“-Minutenrepetition. Jedes Mal, wenn ich sie aktiviere, werde ich daran erinnert, dass Uhrmacherei nicht nur Ingenieurskunst ist, sondern auch eine Performance. Da ist Rhythmus, Timing, Resonanz und Emotion. Ganz allgemein liebe ich Komplikationen, die eine sensorische Erfahrung schaffen. Ein Tourbillon ist etwas, das man beobachten kann. Eine Minutenrepetition ist etwas, dem man zuhören kann. Beide erinnern uns daran, dass Zeit nicht nur gemessen wird – man kann sie fühlen.

Wenn ihr eine beliebige Audemars Piguet-Uhr aus der Geschichte zu eurer Sammlung hinzufügen könntet, welche wäre das und warum?

Y: Eine „iced out“ „Bamboo“ AP in Weißgold.

V: Ohne Zweifel: die extrem seltene „Grosse Pièce“, Nr. 16869. Als Sammler liebe ich Uhren, die Geschichten erzählen, und diese hier fühlt sich fast schon mystisch an. Sie ist einer der ambitioniertesten astronomischen Zeitmesser, die Audemars Piguet je geschaffen hat, und bildet den Londoner Nachthimmel mit 315 Sternen und 18 Sternbildern auf dem Zifferblatt ab. Was mich fasziniert, ist, dass sie so viele verschiedene Arten der Zeitmessung vereint: Sternzeit, ewiger Kalender, Mondphasen, Zeitgleichung, Minutenrepetition, Chronograph und sogar ein Tourbillon. Sie ist weniger eine Uhr, sondern vielmehr ein ganzes Universum, das in einem Objekt eingefangen ist.