Wie Star Bunni Couture in Tattoos übersetzt

Abdrücke von Spitze und anderen Texturen von Couture-Kollektionen verwandelt Künstlerin Star Bunni in Tattoos. (Fotos: Getty Images)

Die Archive großer Modehäuser wie Maison Margiela oder Alexander McQueen sind wie unantastbare Parallelwelten, die nur ausgewählten Personen Zugang gewähren. Pure Faszination reicht nicht aus, um einen seltenen Archivlook in in Echt zu bewundern oder im besten Fall zu erwerben. Doch wie schön wäre es, die seltenen Stücke aus den wertvollen Archiven der Luxuswelt sein Eigen zu nennen, mit kleinen, individuellen Änderungen, die die eigene Persönlichkeit noch mehr unterstreichen? Klingt wie ein unerreichbarer Traum vieler Mode-Affinados, ist aber ein Stück weit Realität, vielmehr das Spezialgebiet von Laura ter Veer (27), auf Social Media bekannt als Star Bunni. Sie transformiert Archivdesigns der Modegeschichte in Tattoos. Couture für die eigene Haut, Mode, die für immer zum Teil von einem wird, Kunstwerke, die tragbar und erreichbar werden. Ihre Lieblingsdesigner sind Martin Margiela und Alexander McQueen. Die Vorstellung, ihre Designwelt und Ästhetik in Tattookunst zu übersetzen und zu etwas Dauerhaften, Individuellen zu transformieren, zu Mode, die bleibt, auch wenn man die Kleider auszieht, begeistern Star Bunni.

Laura ter Veer kommt aus Den Haag und studierte sechs Jahre lang Mode- und Textildesign am Amsterdam Fashion Institute. Nach ihrem Studium ergatterte sie eine Stelle bei Maison Margiela als Textilassistentin. Dass sie vermutlich nicht lange dortbleiben würde, war Star Bunni schnell klar. Nicht wegen dem Unternehmen, nicht wegen der Marke, sondern wegen allem, was ihr an der Luxusbranche nicht gefällt. Die Geheimhaltung, die Exklusivität und die Abschottung der Modewelt frustrieren sie. Der Zugang zu Archiven ist so limitiert, so elitär und „heilig“, das möchte sie mit ihrer Arbeit aufbrechen und auch kritisieren.

Ein Fragment des Closing Looks der Herbstkollektion 2026 von Maison Margiela. (Foto: courtesy of the artist)
Ein Detail aus der Maison Margiela Herbst 2006 Kollektion. (Foto: courtesy of the artist)

Modeaffin war Star Bunni immer, zum Tätowieren kam sie eher zufällig. Ihre Mutter schenkte ihr zu ihrem 24. Geburtstag Tattoo-Equipment für zuhause. Es wurde zu einem beiläufigen Hobby neben ihrem Studium, entwickelte sich aber weiter, bis Star Bunni sogar bei ihrer Abschlusspräsentation den Fokus auf ihre Tattoo-Kunst legte und ihre Models dafür selbst tätowierte. Ihr einzigartiger Stil und ihre Ideen gingen auf Social Media viral. Ihre Warteliste? Ellenlang. Das beliebteste Motiv? Spitzenmotive, inspiriert von Martin Margielas wenigen Spitzen-Designs.

Doch Mode ist für Star Bunni nicht ausschließlich Inspiration für ihre Tattoo-Kunst geworden. Sechs Jahre Studium prägen, die Faszination für Textilien bleibt bestehen, ist vielleicht sogar stärker denn je. Tattoos sind für sie ein bisschen wie Kleidung. Sie verändern den Körper und das Aussehen in puncto Form, Silhouette und Optik, je nach Design. Star Bunnis Traum sind maßgeschneiderte Kleidungsstücke, die tätowierten Körperstellen nicht bedecken, sondern durch Cut-Outs oder individuelle Schnitte freilegen. So würde die Mode mit den Tattoos zu einem großen Ganzen verschmelzen. Ihr Arbeitstitel dafür? „Tattoo Couture“.

Modegeschichte ist für Laura ter Veer, die mittlerweile in Paris lebt, längst nichts Elitäres, Unerreichbares mehr, über das man nur in Büchern lesen, in Museen lernen oder Online aus der Ferne bewundern darf. Modegeschichte ist Kunst und verschmilzt mit eigenen Geschichten und Gedanken zu einzigartigen Kunstwerken. Mode, inspiriert von Margiela, Galliano und McQueen, die für immer auf der Haut bleibt – auch, wenn man die Kleidung nicht gekauft hat und auch, wenn man gerade gar keine Kleidung trägt.