Was Pilates, Lagree und Barre wirklich unterscheidet

Was Pilates, Lagree und Barre wirklich unterscheidet

Lagree, Pilates, Sculpt, Barre – kennen Sie die Unterschiede? (Foto: Getty Images)

Pilates erlebt sein Revival und ist gerade in den letzten Jahren zur Trend-Sportart geworden. An jeder Ecke sprießen neue, edel eingerichtete Boutique-Studios aus dem Boden, jede Modemarke bringt Anti-Rutsch-Socken heraus und jedes Fitness-Studio erweitert das Kurs-Portfolio. Bucht man sich online eine Class oder scrollt durch das Kursangebot, sind die Kursbezeichnungen für Laien oft verwirrend. Was ist der Unterschied zwischen Lagree, Reformer und Megaformer? Sind Classes auf der Matte alle gleich, oder gibt es Unterschiede zwischen einem Sculpt-Kurs und einem herkömmlichen Pilates-Kurs? Und was bedeutet Barre? Fragen über Fragen, die wir hier aufdecken, damit jeder den passenden Sport für sich finden kann – und einfach einen Überblick über die Bezeichnungen bekommt. Denn die Trainingsformen bieten eine hohe Verwechslungsgefahr, einfach, weil sie ähnliche Übungen oder Abläufe beinhalten.

Pilates

Pilates wurde Anfang des 20.Jahrhunderts von einem Deutschen entwickelt, Joseph Pilates. Die Übungen werden klassischerweise auf der Matte ausgeführt. Es wird meistens mit dem eigenen Körpergewicht trainiert, manchmal werdenGadgets wie Bälle, Widerstandsbänder oder Hanteln zu Hilfe genommen. Im Fokus stehen die tiefe Rumpfmuskulatur und die Zentrierung auf den Core durch die Pilates-Atmung. Eingeatmet wird durch die Nase, ausgeatmet durch den leicht geöffneten Mund. Ziel ist es, die Haltung zu verbessern und die Tiefenmuskulatur zu stärken. Es geht nicht um einen hohen Kalorienverbrauch, sondern um nachhaltige Bewegungsqualität und eine definiertere Muskulatur. Da man für Matten-Pilates nur sich selbst und bestenfalls eine Matte braucht, kann diese Sportart auch gut zuhause ausgeführt werden.

Reformer Pilates

Mit seinen Übungen half Joseph Pilates im Ersten Weltkrieg verletzten Soldaten bei der Rehabilitation. An den Krankenhausbetten brachte er Federn an – und entwickelte so die Vorläufer der Reformer-Geräte. Die heutigen Reformer bestehen aus einer beweglichen Plattform, also dem „Schlitten“, aus Seilen mit Schlaufen für Hände und Füße, Schulterstützen und einer Fußstange. Die verschiedenen Federn können individuell ein- und ausgehangen werden, um einen Widerstand zu erzeugen und zu regulieren. Da sich der Schlitten bewegt, liegt der Fokus konstant auf der Stabilisierung und dem Gleichgewicht. Durch die Druck- und Zugbewegungen unterstützt der Reformer das Krafttraining. Im Vergleich zu Matten-Pilates ist der Reformer gelenkschonender und durch die verschiedenen Federn individuell anpassbarer.

Lagree und der Megaformer

Der Franzose Sebastien Lagree entwickelte in den frühen 2000ern ein Gerät, mit dem er Pilates, Krafttraining und Ausdauertraining vereinen wollte. Dieses Gerät nennt sich Megaformer und sieht dem Reformer zwar ähnlich, ist aber kein klassisches Pilates-Gerät. Megaformer haben mehr Federn, mehrere Plattformen und mehrere Griffmöglichkeiten. Dementsprechend komplexer sind auch die Übungen. Da Lagree immer auf Megaformern ausgeführt wird, sind die Muskeln fast konstant angespannt. Bei Lagree steht zwar die Core-Stabilität ebenso wie beim Pilates im Vordergrund, die Fettverbrennung, der Kalorienverbrauch und die Ausdauer sind aber deutlich höher. Beim Lagree gibt es weder Sprünge noch Stoßbelastungen. Die Übungen werden sehr langsam ausgeführt, mit dem Fokus auf Kraft, Intensität und Belastung. Es gibt kaum Pausen und jede Muskelgruppe wird extrem belastet.

Sculpt

Anders als Pilates und Lagree ist Sculpt kein geschützter Begriff, weshalb sich die Trainings-Einheiten bei Sculpt-Kursen von Studio zu Studio deutlich unterscheiden können. Bei Sculpt-Kursen werden Übungen aus dem Krafttraining, Cardio, Pilates und Yoga fusioniert und auf der Matte ausgeführt. Wie bei Matten-Pilates können Gadgets wie Hanteln, Widerstandsbänder oder Silder verwendet werden, aber auch hier liegt der Fokus auf dem Eigengewicht.

Barre

In den Fünfzigern entwickelte die deutsche Tänzerin Lotte Berk das heutige Barre-Training. Nach einer Rückenverletzung kombinierte sie klassisches Ballett mit Physiotherapie und Rehabilitationsübungen. Wie im Ballett wird auch Barre an einer Ballettstange ausgeführt und zusätzlich auf einer Matte. In den meisten Studios gibt es mobile Stangen für jede:n Kursteilnehmer:in oder eine klassisch an der Wand entlanglaufende Ballettstange. Kleine Bewegungen und viele Wiederholungen treffen bei Barre auf kontrollierte Muskelarbeit. Auch hier können Bälle, Hanteln oder Widerstandsbänder zum Einsatz kommen. Obwohl die Bewegungsabläufe fließend sind, sind die Übungen für die Muskeln sehr anspruchsvoll. Gerade die Körperhaltung wird durch das Training an der Stange und die Ballett-Einflüsse besonders verbessert.

All diese Sportarten haben ihre eigenen Vorteile – am Ende ist es reine Geschmackssache, für welchen Kurs Sie sich entscheiden. Was alle Sportarten gemeinsam haben – abgesehen von ihrem Hype: Sie fördern die Haltung, trainieren die Körpermitte und die Beweglichkeit. Die Muskeln werden aufgebaut und der Körper definiert. Nur in der Intensität unterscheiden sich die Kurse, deshalb: Ab auf die Matte oder das Gerät und einfach mal ausprobieren, was sich für den eigenen Körper am besten anfühlt. Denn das ist das eigentliche Ziel: ein Gespür für den eigenen Körper zu bekommen. Und auch durchzuhalten, wenn die Trainerin oder der Trainer eine gefühlte Ewigkeit die Sekunden herunterzählt.