Anzeige

Wie uns Cyril Lancelin den goldenen Spiegel vorhält

Wie uns Cyril Lancelin den goldenen Spiegel vorhält

Cyril Lancelin, Mille Miroirs. (Foto: Cyril Lancelin)

Wer durch das Wertheim Village schlendert, begegnet derzeit Silhouetten aus goldenen Kugeln, die die Umgebung spiegeln. Der französische Künstler Cyril Lancelin hat die Promenade der Shopping Destination mit seiner immersiven Installation „Mille Miroirs“ in eine goldene Traumlandschaft verwandelt.

Achtzehn schlanke geometrische Skulpturen aus Kugeln formen eine Landschaft, die mit Schatten, Licht und Spiegelungen spielt. Besucher:innen können zwischen den Strukturen umherwandern und sich in Lichtreflexen und Schattenspielen verlieren – ein Erlebnis, das Architektur, Design und Kunst verschmilzt. Cyril Lancelin, 1975 geboren und in Lyon ansässig, hat Architektur studiert und entwickelt heute hybride Werke, die Skulpturen, immersive Installationen und virtuelle Erfahrungen miteinander verbinden, mit dem Ziel, die Grenzen zwischen Virtuellem und Realem aufzuheben. Das erklärte Anliegen seiner Arbeiten ist es, Architektur mit dem menschlichen Körper in Beziehung zu setzen – das Alltägliche mit dem Ewigen, das Vergängliche mit dem Naturhaften.

Cyril Lancelin mit Mille Miroirs in Wertheim Village (Foto: Courtesy of Wertheim Village)
Mille Miroirs in Wertheim Village (Foto: Courtesy of Wertheim Village)

Mit dem ausdrücklichen Wunsch, Schönheit zu kultivieren und zu zeigen, wie Kunst Brücken zwischen verschiedenen Disziplinen, Kulturen und Menschen schlagen kann, erschafft Lancelin nachhaltige, „multifunktionale Ökosysteme“, die sich in einer universellen Sprache ausdrücken. Die Installation „Mille Miroirs“ zum Beispiel hat Rollen, ist bewegbar und kann immer wieder neu arrangiert werden.

Die Installation ist nicht nur ein Shopping-Highlight. „Mille Miroirs“ ist offizieller Bestandteil des Programms der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026, die unter dem Motto „Design for Democracy. Atmospheres for a better life“ nachhaltige Projekte versammelt, die zeigen, wie Design Stadt und Gesellschaft positiv prägt. Es ist das erste Mal, dass der von der World Design Organisation alle zwei Jahre vergebene Titel nach Deutschland geht. „Mille Miroirs“ ist im offiziellen WDC-Kalender gelistet und in Wertheim Village bis zum 31. August 2026 zu sehen. Ein Teil der Installation wird von Anfang Juni bis Ende August auch im Kimpton Main Frankfurt gezeigt. Dass eine Shopping Destination Teil dieses Programmes ist, passt zum Geist der WDC: Design soll nicht in Museen bleiben, sondern im Alltag wirken, auch zwischen Boutiquen und Promenaden. Für das Wertheim Village bedeutet das: ein Stopp, der sich auch ohne Einkaufstüte lohnt. Zwischen goldenen Kugeln und geometrischen Portalen verschiebt sich kurz die Perspektive.

Wir haben Cyril Lancelin persönlich im Apartment des Wertheim Villages getroffen. Im Gespräch erzählt der Künstler mehr über seine Kunst und „Mille Miroirs“.

Ihr Durchbruch kam nicht durch eine Galerie, sondern über Instagram. Wie verändert Social Media Ihrer Meinung nach die Kunstwelt?

Es ermöglicht, Kunst zu sehen, zu der man sonst vielleicht keinen Zugang hätte. Ich kann zum Beispiel nicht jedes Jahr zu Biennale in Venedig, sehe die Kunst dort aber auf Social Media durch die Augen von anderen. Man kann das natürlich auch kritisieren. Aber meiner Form von öffentlicher Kunst hat es geholfen, sichtbar zu werden.

Spiegel zeigen uns. Gerade im Kontext des Wertheim Villages: Ist „Mille Miroirs" auch eine Arbeit über Selbstwahrnehmung, darüber, wie wir uns im öffentlichen Raum sehen und gesehen werden wollen?

Ja, natürlich. Wenn man shoppen geht, macht man das für sich selbst, aber auch für die Außenwirkung. Aber es ging auch einfach darum, durch die vielen Spiegel die schöne Umgebung zu spiegeln. Und die Menschen: Shoppen kann eine gemeinschaftliche Erfahrung mit Freund:innen sein, die Kunst soll sie zusätzlich verbinden und spiegeln. Deswegen habe ich auch die Bänke gemacht [Teil der Installation sind auch mit Kugeln geschmückte Bänke, Anm. d. Red.], damit sich Besucher:innen setzen können und Teil des Kunstwerks werden.

Was ist der Ausgangspunkt für Ihre Kunst? Der Ort, an dem sie gezeigt wird? Ein bestimmtes Material?

Es geht schon sehr früh darum, dass meine Kunst flexibel sein muss. Eine Stadt ist ein Ort, den sich viele Menschen teilen; meine Kunst muss beweglich sein, weil sie nicht für immer an einem Ort bleibt. Deswegen sind Rollen an die Installation angebracht. Eine lustige Vorstellung, dass sie am Leben ist und sich wie ein Mensch oder Tier von der Stelle bewegen könnte. Und es verleiht Freiheit, das Kunstwerk immer wieder neu zu arrangieren.

Das klingt sehr technisch. Schränkt sie das in Ihrer Kreativität ein?

Ja, das ist es auch. Man kann zum Beispiel keine Löcher in den Boden bohren, das Kunstwerk muss stabil stehen – deswegen die Winkel. Dadurch haben sich aber auch interessante Lichtspiele entwickelt. Die Umgebung und der Kontext, in dem meine Kunst ausgestellt wird, gibt also eine Richtung vor, was aber auch hilfreich für meine Kreativität ist. Es macht mir Spaß, Lösungen zu finden.